Niemand Verdächtiges - Die Minuial Chroniken

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    • Niemand Verdächtiges - Die Minuial Chroniken

      Dieser Thread wird von mir hin und wieder mit Geschichten von Minuial gefüttert. Es wird sicher nicht regelmäßig passieren und Reaktionen auf Geschichten anderer werden gekennzeichnet. Die ersten werden nachgereicht, spätere entstehen später. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen.
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      I hope in your stumbling around, you do not wake the dragon. (Londo Mollari, Babylon 5)

      Pinsel bringen Leute zum Durchdrehen. (Siriaka Jayeon, Black Desert Online)
    • ((Zeitindex: Anfang Juni 2017))

      Einfach mal Ausspannen

      *Es ist ziemlich früh am Morgen, als Ryu, der kleine Schwarze Drache, auf Siris Fensterbrett landet. Sollte das Fenster geöffnet sein, tappst er einfach ins Zimmer, ist es geschlossen, verschwindet der kleine Drache in einer kleinen schwarzen Rauchwolke, um sofort im Inneren das Zimmers wieder in einer gleichen Wolke aufzutauchen. Er legt eine Nachricht ab, schaut kurz das Schlafende Mädchen an, und verlässt das Zimmer wieder lautlos. Siri kann die Nachricht gut lesen, offenbar hat Minuial eine schöne Handschrift, mit einem Leichten Hang dazu, die Buchstaben etwas zu verschnörkeln.*

      Meine Liebe Siri,
      Ich reite heute mit Makoto aus, sie ist etwas übellaunig die letzten tage und braucht wohl mal wieder ein Feld unter den Hufen. Es wird wohl ein oder zwei Tage dauern, bis ich zurück bin, und ich vermisse dich jetzt schon, meine wunderschöne Tochter. Natürlich mache ich es wieder gut! Ich habe ein wunderschönes kleines Gasthaus in Olvia gefunden und uns ein Zimmer gemietet, es war gar nicht teuer! Hmm es ist nicht nur ein Gasthaus, aber lass dich überraschen. Wir werden also in zwei Tagen früh losreiten. Ich mache Reika für dich fertig, vergiss bitte deine Badesachen nicht. Sei bitte anständig, während ich nicht da bin, und iss ordentlich und pass in der Nacht auf, dass du dich nicht erkältest...und iss nicht so viele Kekse und naja denk dir hier bitte noch ein paar Mamasachen, ich übe noch.

      In Liebe, Minu.


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      Zwei Tage später...


      TEIL 1

      Am Morgen des zweiten Tages nach ihrem Ausritt hatte Minuial am Stall schon ihre tägliche Tasse Kaffee getrunken, und Reika und Makoto gesattelt, als Siri mit einem kleinen Bündel zu Stall kam. „Guten Morgen, Mama!“ sagte sie freudig, bevor die etwa einen Kopf größere Elfe sie so fest drückte, dass es ihr fast den Atem nahm. Gut, dass sie gleich wieder locker ließ. „Siri! Meine liebe, ich hab dich so sehr vermisst.“ Dann sah sie ein wenig zur Seite und murmelte hörbar. „Nicht dass es diesmal nicht meine Schuld war…“ Dann sah sie Siri wieder an und lächelte strahlend, was für Minuial sehr unüblich war, so früh am Morgen. Sie streichelte Siris Wange liebevoll während sie mit sanfter Stimme weitersprach. „Ich mach das jetzt wieder gut. Du hast allen Bescheid gesagt, dass du länger weg bist, ja? Gut! Dann komm. Steig auf Reika und wir legen los. Siri nickte, schenkte ihrer „Mama“ ein lächeln und ging zu ihrem Pferd, auf das sie, nach einem ausgiebigen Kompliment über dessen wunderschönes schwarzes Fell, aufstieg.

      Der Ritt nach Olvia dauerte etwa einen halben Tag, sie ritten zügig, aber nicht schnell. Nachdem sie Velia verlassen hatten, hatte sich auch Ryu auf Minuials Schulter gezeigt und nutze Die Reise um entweder dort auszuruhen oder ein paar Runden zu fliegen. Pünktlich beim Erreichen Olvias verschwand der kleine Drache wieder in einer schwarzen Rauchwolke, bevor sie weiter durch ein paar Gässchen an ein recht unscheinbares Haus ritten.
      Minuial öffnete nach dem Absteigen die Tür und Siri trat hinein. Der recht schlichte, kleine Eingangsbereich zeichnete sich durch drei große Badezuber, einen Empfangstisch, einen abgetrennten Bereich, hinter dem Wohl eine Art Wohnung zu erkennen war, wenn man sich etwas reckte, und eine Tür.
      Siri sah etwas zweifelnd zu wie Minuial die Reservierung einlöste, und ein „Rundum-Sorglos“ Programm bestellte. Die alte Wirtin nickte leicht, und wies beide darauf hin, bitte nicht mit Straßenschuhen auf den Gängen herumzulaufen, während sie die beiden durch die Tür eine Treppe hinauf führte. Gleichzeitig führte eine hinab. Ein seltsam angenehmer Duft aus Blüten und Kräutern dran von dort nach oben.

      Das Zimmer ließ Siri kurz den Atem stocken. Die Fensterläden waren offen und sie schaute auf ein Paradies aus Samt, Brokat, Seide, Filz und Plüsch in einem Blau-grün Ton, der allein schon entspannend wirkte. Außerdem duftete es nach frischen Zitronenbäumen und das Fenster gab den Blick auf die Wälder hinter Olvia und die Berge frei. In der Mitte stand ein gigantisches Himmelbett, denen Dach von unten schwarz, mit keinen geschliffenen Glasscherben, wie ein Sternenhimmel wirkte.
      Minuial bat Siri ihre Kleidung abzulegen und in die Badesachen zu schlüpfen. Das getan legte sie ihre einen etwas zu großen mantel über die Schulter, gab einen kleinen Kuss auf die Wange und versicherte ihr, dass sie und Ryu alles geprüft haben und hier nichts magisch ist. Zumindest nicht im Sinne der klassischen Magie. Denn verzaubernd war das Ambiente in dem großen Zimmer schon. Der Mantel, flauschig und weich, roch, wie das Zimmer nach Zitronenblüten und fühlte sich unglaublich sanft auf der Haut an. Noch ehe sie sich versah, trug Minuial einen ähnlichen, nahm ihre Tochter bei der Hand und führte sie die Treppe hinab. Es wäre recht kalt an Füßen gewesen, wären vor der Tür nicht ein paar, zu den Mänteln passende Plüschpantoffeln gestanden.

      Die blonde Elfe führte ihre Tochter in einen Raum, mit mehreren Badezubern, liegen und ebenfalls einigen Türen. An jedem Zuber standen einige Kerzen und auf dem Wasser schwammen Rosenblüten. Auf einem Regal erkannte Siri einige der Öle, die Minuial schon zum Haare waschen benutze. Sie sah zu Minuial auf und zerknautsche das Gesicht. „Schon wieder Haare waschen?“ Ihre Mama hockte sich vor sie hin, legte ihre Hände sanft auf ihre Schultern und sagte leise „Nur wenn du es willst. Und wenn du drauf bestehst, mache ich dir das auch wieder.“ Siri entschied sich vorerst dagegen. Die Option sich die Haare doch noch waschen zu lassen, stand ja noch offen. Immer die Möglichkeiten offen halten. Das war wichtig im Leben!
      Als die beiden in den ersten Zuber stiegen, kam auch schon eine angestellte, eine schwarzhaarige, junge Frau mit einem Lächeln auf den Lippen und fragte, ob die Gäste zurecht kämen, etwas zu trinken wünschen und ähnliches. Siri ließ sich von Minuial eine heiße Schokolade empfehlen, während diese sich von einer zweiten angestellten, ebenfalls einer jungen Frau mit dunkelbraunen Haaren, die Badebekleidung trug, die Haare hochstecken und sich das Gesicht einölen ließ.
      Siri war noch nicht so ganz überzeugt, von der ganzen Atmosphäre, und auch nicht von den beiden Damen, die sich anscheinend um ihr leibliches Wohl kümmern mussten. Andererseits war es auch nicht unbedingt das Übelste sich mal bedienen zu lassen, und der Kontakt mit Hibiki hatte ihr gezeigt, dass es zumindest in anderen Kulturen üblich war gebadet zu werden. Sie erinnerte sich ebenfalls, dass sie Hibiki die Füße gewaschen hatte, wurde etwas rot und nahm einen Schluck aus der Tasse, die ihr auf einem kleinen Brett, das auch mit Tasse im Becken schwamm. Sie nahm einen kleinen Schluck, setzte ab und trank einen etwas größeren. Sie kannte heiße Schokolade, und liebte sie, aber das was sie hier bekommen hatte sprengte jede Erwartung. Die Schokolade war wirklich warm, und etwas Dickflüssiger, es war nur wenig Milch drin, dafür mehr Schokolade. Es war als würde sie direkt aus einer Schokoquelle trinken. Sie schloss die Augen, lehnte sich entspannte zurück und ließ sich von dem schwarzhaarigen Mädchen die Füße waschen.

      Ein bisschen fühlte sie sich wie auf einer Wolke, während die Dame sie vorsichtig in ein kleines Gespräch verwickelte. Siri wusste natürlich, dass man erstmal ausfragt, also hatte sie das Gespräch nach kurzen Sätzen im Griff. Sie erfuhr, dass es noch mehr angestellte gab, und meist nur gleichgeschlechtlich bedient wurde. Also Männer bedienten Männer, Frauen eben Frauen. Sollte es ein Kunde anders wünschen, wurde das natürlich erfüllt, aber gleichzeitig auch ein Beobachter abgestellt, dass es nicht zu „Erwachsenenkram kommt“ unterbrach Minuial die Dame. Siri musste schmunzeln und genoss die Massage an ihren Füßen fast so sehr wie die Tasse heißer Schokolade. Das Ambiente und die Behandlung erstickten ihren Ärger über den wieder einmal missglückten Versuch etwas mehr über „Erwachsenenkram“ herauszufinden. Allerdings konnte sie sich vorstellen, dass ein Starker Mann so einer Dame auch wehtun könnte, daher ist es natürlich sicher, wenn man dann einen Beobachter abstellt.

      Nach dem Bad fühlte Siri sich schwer aber entspannt. Müdigkeit kroch ihr in die Knochen, und sie legte sich auf eine der Liegen, während sie sah wie Minuial sich auf eine Pritsche legte , das Oberteil ihrer Badekleidung öffnete und die andere junge Dame damit begann ihr den Rücken durchzukneten.
      Das sah ja interessant aus! Und ihre Mama sah aus als hätte sie irrsinnig Freude daran! Sie fragte die Dame neben sich, die ihr grade den Mantel brachte ob sie das auch haben dürfe. Diese sah kurz zu Minuial, die fast ungesehen nickte und Siri mit einem Auge zuzwinkerte.
      Herrlich! Siri fühlte sich wie Pudding, als die Dame, die sich, auf Siris Nachfragen, als Aurelia vorgestellt hatte, ihre Rücken und Beinmuskulatur massierte. Ihr war weder nach reden noch nach protestieren, einfach nur nach Genießen. Trotzdem schaute sie mit einem Auge zu Minuial, die wohl offensichtlich genießend beide Augen geschlossen hatte und brummte wie eine Katze, der man grade den Bauch streichelt.



      TEIL 2

      Minuial streichelte ihrer Tochter sachte über die langen schwarzen Haare, als diese ein Auge aufschlug. Sie saß in einer der Liegen und hatte ihren Bademantel an. „Na? Ein bisschen eingeschlafen? Kein Wunder, du hast so entspannt ausgesehen. Ich hoffe es gefällt dir hier.“ Sagte Minuial leise zu dem Mädchen. „Hier.“ Sie reichte Siri einen Teller mit Früchten, Weinbeeren, Orangen, Melonen, Erdbeeren und Himbeeren waren darauf edel drapiert. Siri griff erst nach einer Weinbeere. Süß und saftig aß sie noch eine und noch eine, dann Melone, währen Minuial Erdbeeren und Himbeeren aß. Sie probierte diese beiden Früchte ebenfalls.

      Nach der Stärkung hockte sich Minuial vor Siri, sah sie an und lächelte. „Hör mal. Die haben hier noch was ganz, ganz besonderes. Ich weiß nicht ob du das magst, wenn nicht, gehen wir gleich wieder raus. Ja?“ Nach der Einwilligung Siris ließen sich beide in einen der Nebenräume führen, indem ein weiterer Zuber mit einer weißen, milchigen Flüssigkeit stand. Die Wände waren ihr drin sogar gestaltet, und es schien ein kleiner Luftzug durch den Raum zu ziehen, um wieder einen Duft von Blüten zu verbreiten. Die Wände waren mit einem Landschaftsbild bemalt, das die Küste Olvias zeigte. Unterbrochen wurde das Bild nur von in den Stein gelassenen Steinsäulen, die mit ihrer weißen Farbe einen Kontrast zum himmelblauen Meer bildeten.

      Siri war doch etwas unwohl, als Minuial verlangte, sie solle sich bitte die Badesachen ausziehen. War aber beruhigt, als Sie ihr sagte, sie würde auch wegsehen. Außerdem lagen für beide dünne, aber Blickdichte Lendenschurz sowie ein Wickeltuch für obenherum, ebenfalls dünn, aber Blickdicht. Sie sah wie Minuial sich von ihr wegdrehte, ihre Badesachen ablegte, und sich die Haare hochsteckte, wobei sie auch ihre Ohren zeigte. Siri konnte nicht anders, als zugeben, dass sie sich da eine sehr schöne Mama ausgesucht hatte, die sich, nachdem sie sich versichert hatte dass Siri fertig war, herumdrehte, und sie in den Zuber führte wie eine kleine Prinzessin.

      Ziegenmilch?! Siri wollte schon wieder gehen, als ihr einfiel, dass sie in einem Märchen einmal gelesen hatte, dass die gute Herrscherin auch gern in Ziegenmilch gebadet hatte, aus genau demselben Grund. War an dem Märchen etwas dran? Zugeben musste sie, dass es sehr angenehm war, und es roch auch nicht, was wohl an dem leichten Luftzug lag. ‚Moment!‘ Dachte Siri, die Landschaft erinnert sogar ein bisschen an das Märchen! Und die gute Herrscherin hatte wie Sie, auch schwarze Haare gehabt. Es fehlte eigentlich nur noch…

      Kaum hatte sie das zu Ende gedacht, betraten Aurelia und die andere Dame den Raum. Aurelia mit einer Laute, die andere Dame mit einer Harfe, stimmten eine sanfte, fremde Melodie an. Minuial nahm ihre Tochter dann in die Arme, machte ihr die Haare auseinander und begann ihr sanft und behutsam mit der Milch und etwas Öl die Haare zu waschen. Sie hielt Siri dabei behutsam fest, dass diese nicht mit dem Kopf in die Milch eintauchte.

      Siri schloss die Augen. Sie war tatsächlich eine Königin heute…
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    • ((Zeitindex: 10. - 23. Juli 2017))

      Krankenpflege


      Etwas besorgt saß Minuial an Siriakas Bett. Das zierliche, schwarzhaarige Mädchen schlief tief und fest und zuckte nur hin und wieder. Die Elfe wechselte regelmäßig das feuchte, kalte Tuch, getränkt in Kräuterwasser, und ließ sie fast keine Sekunde aus den Augen.
      Verschleppte Sommergrippe, nicht lebensgefährlich, aber furchtbar unangenehm. Das Mädchen lag nun schon 2 Tage im Fieber und schaffte es grade die täglichen Notwendigkeiten durchzuführen. Reden wollte sie fast gar nicht, aber sie verzog mittlerweile bei Zwieback und Kamillentee das Gesicht. Minuial streichelte leicht die heiße Wange ihrer Tochter und wechselte abermals das feuchte Tuch auf deren Stirn.
      „Keine Sorge meine Liebe. Das geht wieder vorbei.“ Flüsterte sie und dachte mit etwas mitleidig verzogenem Gesicht an die letzten zwei Tage. Immer wieder war Siri aufgewacht, sah sich um und wollte aufstehen, was ihr Körper ihr aber verwährte. „Mama? Hab ich die Pest?“ Sie hatte das beinahe jedes Mal gefragt, wenn sie die Augen aufschlug. Ihre Stimme war zwar schwach, aber sie versteckte dabei ihre Angst hinter einem gefassten Tonfall. Einzig ihre Augen hatten sie verraten. „Nein, meine Liebe. Das würde ich nicht zulassen. Bleib nur schön im Bett.“ Hatte Minuial erwidert wie eine Schallplatte mit einem Sprung. Es war sehr eigenartig, diesen kleinen Wirbelwind so kraftlos zu sehen und dabei noch wirklich mitzufühlen.

      Ein paar Tage später hatte Siris Fieber schon etwas nachgelassen, aber ihr Magen bestreikte immer noch alles außer Zwieback, den Minuial mittlerweile täglich frisch vom Bäcker holte, und kalten Kamillentee, der für ihre Tochter natürlich nur aus dem feinsten Quellwasser und Kamille, die sie extra von Earidh in der Osteria bestellt hatte, gemacht wurde.
      Ganz anders als Siris Geschmacksnerven. Ihre Stimme war zwar noch schwach, hatte aber von ihrer Fähigkeit ihren Unmut über das Gebäck und das „Wasser ohne Geschmack“, wie sie es nannte, kundzutun gar nichts verloren. „Und außerdem hattest du versprochen mir zu erzählen, was draußen passiert! Ich muss doch informiert bleiben!“ klagte sie vorwurfsvoll, während sie lustlos an dem Zwieback herumknabberte.
      Minuial Strich ihr über die Haare als sie berichtete. „Tja, ohne dich ist es sehr ruhig da draußen, und da ich ja nett sein soll, kann ich auch nicht ausgiebig mit der Walküre streiten. Ah! Da fällt mir ein, diese Tüte da auf dem Nachttisch sind Bonbons, die sie für dich gemacht hat.
      Vorgestern war ich mit Ayleen und Haban auf eine der kleinen Inseln gefahren und Haban erzählte uns eine Geschichte. Er ist wirklich gut darin! Wenn du wieder richtig gesund bist, erzähle ich sie dir. Mit Habans Fluch sind wir noch nicht wirklich weiter, sodass ich mich wohl nochmal mit dieser Elfe unterhalten muss. Achja und Miss Kiesel ist auf einer Fahrt in den Westen, eine Lieferung. Scheinbar wird sie dafür gut bezahlt. Ayleen geht es auch sehr gut, und ich habe Hibiki besucht um ihr zu sagen, dass du krank bist. Sie wird dich morgen besuchen kommen und meinte auch sie bringt etwas mit, was dir sicher gut bekommt. Ich soll dir auch von Kaori aus alles Gute wünschen. Die beiden haben mir etwas für dich mitgegeben.“
      Mit diesen Worten griff Minuial in ihre tasche und zog einen klitzekleinen Sack heraus, der, mit einer Schnur verschlossen, auf der Seite mit Schriftzeichen aus Hiyuga bestickt war. Er wirkte sehr einfach, aber liebevoll verarbeitet. „Da ist irgendetwas drin, frag am besten Hibiki, aber mach ihn nicht auf, sonst verfliegt das Glück.“ Fügte Minuial hinzu. Siri sah ihre Adoptivmutter an, nahm das kleine Säckchen an sich und vergrub ihr Gesicht in der Bettdecke, damit Minuial das Lächeln nicht sah. Immerhin hatte sie schonwieder nur Zwieback und Kamillentee! Dann sah sie einen Moment aus den Augenwinkeln zu ihr wie sie das Tuch, das stets ihre Stirn kühlte, auswrang. Tatsächlich war es immer angenehm kühl, egal wann sie aufwachte, tagsüber, mitten in der Nacht, nur abends fühlte es sich nicht ganz so angenehm, was sich aber nach ein paar Stunden sofort wieder besserte.
      „Du hast mich aus einem schönen Traum geweckt!“ Begann sie zu erzählen.

      Nach dem zweiten Wochenende konnte Siriaka schon wieder herumlaufen. Kopf und Gliederschmerzen waren verschwunden, das Fieber überstanden nur Husten und Schnupfen hielten sich noch ein wenig hartnäckig. Aber nachdem sie ihrer Mutter mehrmals versichert hatte, dass sie sie im Haus bleiben würde, ließ diese sie auch wieder aufstehen. So war sie auch ab und zu im Haus anzutreffen. Anton, Ilse, wie auch Enrico waren froh das Mädchen wieder zu sehen, berichteten sie doch, dass Minuial sie bewacht habe wie ein Drache eine im Turm gefangene Prinzessin. Nur Davaab hatte sie hin und wieder zu ihr gelassen.
      „Drache“ da fiel Siri etwas ein…immer wenn sie aufwachte und, so selten es vorkam, Minuial nicht neben ihrem Bett auf einem Schaukelstuhl saß, sah sie die roten Augen des kleinen Schwarzen Drachen, in gebührender Entfernung. Mal auf dem Kronleuchter, mal am äußersten Rand des Nachtisches, aber nie nahe genug ihn vielleicht doch mal anfassen zu können. Hatte Ryu tatsächlich über sie gewacht? Sie beschloss das noch ein wenig zu beobachten.
      Als sie sich begann wieder etwas müde zu fühlen ging sie wieder ins Bett. Ein bisschen freute sie sich schon auf das Essen, denn seit Hibikis Besuch, gab es einmal am Tag diesen Reisbrei mit Gemüse, den Hibiki vorbeigebracht hatte. Er schmeckte zwar ein wenig anders, seit ein paar Tagen, aber es war um Welten besser als Zwieback und Kamillentee…

      Siri?“ hörte sie die Stimme ihrer Mutter als sie sich gerade wieder hingelegt hatte. „Ja, Mama?“ entgegnete sie schon fast wieder mit ihrer normalen Stimme. „Ich habe Haban gesagt, dass er mit dem Unterricht anfangen kann, da es dir ja nun schon gut geht. Er wird morgen sicher vorbeischauen.“
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    • ((Zeitindex August 2017))

      Wasserdicht, und nicht ganz dicht.


      Mit einem leichten, kraftlosen Plätschern klatschten die Wellen lustlos gegen den Strand Velias und die Bohlen der Werft in der windstillen Morgenfeuchte des Sommers. Es versprach ein heißer Tag zu werden, wieder.
      Als er von seinem aufgeräumten Schreibtisch aus dem Fenster sah, hielt er es erst für eine Hitzeerscheinung. Zumindest hoffte er inständig, dass es eine war. Diese Hoffnung war vergebens…

      „Ich will das hier gebaut haben!“ Mit diesen Worten in einem sehr fordernden und etwas quäkenden Tonfall und einem leichten Schlag mit der flachen Hand auf den Schreibtisch des Vorstehers des intakten Teils der Werft in Velia, Alessandro Bacci, flog die Seite Papier vor dessen Augen.
      Susi Sorglos. Er hatte immer gehofft diese Verrückte würde nie zu ihm kommen und atmete tief ein, während Susi mit dem Finger auf das Papier mit deutlich erkennbaren Skizzen und etwas wirren Rechnereien tippte. „Und das soll ordentlich gemacht werden. Ich will Fachleute, keine Bauern.“ Alessandro sah nach oben und wollte die Frau grade bitten seine Werft wieder zu verlassen, da wurde ihm klar, dass seine Männer schon seit Tagen nur noch Kisten mit Tauen und Winden umherstapelten, da zur Zeit sowieso nicht viel zu tun war. Mitten in Sommer waren die meisten Schiffe auf See und so unmöglich sah die Zeichnung gar nicht aus. Wenn es nur nicht diese Verrückte wäre…
      „Es kann nicht so schwer sein, und berechnet ist es auch! Das Material ist auch da! Ich zahle eine Münze für vier Mann, sechs Tage Arbeit.“ plapperte Susi munter weiter, während Alessandro kurz die Berechnungen ansah. Dann stockte er und sah auf. „Miss Sorglos? Sie meinen mit einer Münze eine ihrer Münzen? Ich meine…“ er beugte sich vor und flüsterte. „Die aus Gooold?“ Susi war gerade im Begriff weiter zu plappern als sie innehielt und den Mann ansah als hätte er eben die Frage gestellt, ob man im Regen ohne Unterstand nass wird. „Natürlich sind die aus Gold!“ blaffte sie, während Alessandro zusammenzuckte und die Arbeiter sich zu Susi umdrehten. Einen Moment war Totenstille in der Werft. Man konnte fast das Echo des letzten Wortes vernehmen, das sich fast geisterhaft im Raum zu halten schien. „Gold.“

      Man munkelte nur in dunklen Gassen oder leise bei einem Bier, dass Susi Sorglos so reich ist, dass sie in Goldmünzen bezahlt. Und fast wäre es als Legende abgetan, hätte sich der örtliche Lagerverwalter und Wechselstubenbetreuer nicht einmal im Wirtshaus verplappert, als er einen Humpen Bier zu viel hatte. So hielt sich das Gerücht hartnäckig.

      Susi sah Alessandro an „Was?! Eine Münze ist nicht viel! Das verdienen Diener hier im Monat, also vier Mann eine Woche. Das ist Mathematik!“ Der Werftverwalter schnappte nach Luft. Eine Goldmünze pro Monat. Er lebte von der Hälfte! Er zuckte etwas zusammen, als Susi Sorglos schon wieder lautstark und schnell mit dem Finger auf das Papier tippte und sah auf den Plan.
      Ein Wassertank? Problemlos machbar, nur die Berechnungen waren unverständlich für ihn. Alessandro hob den Kopf und sah etwas ratlos zu der Blonden, deren Finger wohl ständig was zu tun brauchte. „Frau Sorglos, wir können diesen Tank bauen, das ist kein Problem, aber was sollen diese Zahlen und Gleichungen bedeuten?“ Susi tippte weiter fest mit dem Finger auf das Papier. „Das sieht doch jeder! Statikberechnungen! Statik! Ganz einfach! Da! Hier ist die Kraftverteilung auf tragende Wände und hier die zu erwartende Mehrbelastung bei Wind bis zu einer Windstärke von 10 Meter Wellenhöhe, und Schnee bis zu einer Höhe von einem Schritt! Hier ist die Lastverteilung der Struktur in sich, und natürlich die ideale Höhe und Durchmesser für das gewünschte Fassungsvermögen. Das sieht man doch!“ plapperte und wetterte sie in unglaublichem Tempo, während Alessandro auf die wild verteilten Zahlen und Rechenwege starrte, die mit Pfeilen zueinander, das Konstrukt, und manchmal nirgendwo hin zeigten. Aber es ging um eine ganz Goldmünze … Er raufte sich die Haare. Während Susi Sorglos, mittlerweile auch sehr oft „Sommerwind“ genannt, etwas zynisch blaffend meinte, „Aber ich mach es ganz einfach. Ich male Punkte aufs Dach wo die Stützen verankert werden sollen und erstelle einen Bauplan, ja? Dann begreift es auch ein Bauer.“ Sie sah zu ihm, mit Glubschaugen, leicht geöffneten Mund, und der Zungenspitze auf der Unterlippe liegend, während sie extrem langsam und etwas dumpf verzerrt sprach. „Bauen da wo Punkte Sind. Bauen nach Plan. Bauen mit Holz.“ Allessandro sah zu seinen Männern. Diese Verrückte hatte gerade ihn, sie, und wohl jeden rechtschaffenden, wenn auch nicht hochgebildeten, Arbeiter beleidigt. Jeden noch so feinen Edelmann hätten sie mit einem Shanty auf den Lippen aus der Werft getragen. Doch in den Augen seiner Jungs stand nur ein Wort geschrieben „Gold!“ Zögerlich nickte er Susi zu. „Für eine Woche müssen meine Männer Doppelschichten machen, und solange ihr euch um das Material kümmert, wären wir bei zwei Münzen, da wir das in einer Woche schaffen sollen.“ Wieso nicht etwas mehr rausschlagen? Immerhin hat diese Verrückte gerade die Hälfte der Einwohner Velias in einem Wort beschimpft.

      Susi nickte zufrieden und erwiderte zwitschernd, den Zettel mit der Zeichnung grabschend „Gut! Das ist ja gar nicht so teuer! Morgen fangt ihr an, das Material befindet sich im Kneipenschuppen, sprecht mit dem Wirt.“
      Ein gutes Geschäft in der sonst etwas trostlosen Sommerzeit, freute sich Alessandro und ein schöner Bonus für ihn und seine Leute. Er reichte Susi die Hand, ließ sie auf den Handel einschlagen und verabschiedete sie so höflich er es vermochte. Diese erwiderte den Gruß flötend und machte sich auf den Weg nach draußen. Und so begannen am nächsten Tag die Bauarbeiten auf dem Dach der Mietzimmer. Man hört die Leute murmeln, dass die Arbeiter sehr gewissenhaft arbeiten würden. Das man es gar nicht gewohnt ist, die Werftarbeiter so konzentriert zu sehen. Es heißt, sie führten sogar eine Inventarliste…


      Alessandro hakte ein weiteres Brett auf der Inventarliste ab, während er sich in Gedanken zurückrief was sie gesagt hatte als Susi gerade die Werft verlassen wollte. Sie stoppte und sah über die Schulter auf die Werftarbeiter, während sie sehr deutlich und in einem klaren Tonfall sprach. „Und nur um es gesagt haben. Wird mein Dach nass, mach ich Euch nass. Hab ich Wasser in der Wohnung, habt Ihr Wasser in der Wohnung. Verschwinden auf merkwürdige Weise Materialien, verschwindet Ihr auf merkwürdige Weise. Bricht irgendwas zusammen, brecht Ihr zusammen. Schönen Tag!“
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Mikarion ()

    • ((Zeitindex August 2017))

      Urlaubsnacht


      Sanft strich der warme Nachtwind Iliyas durch die Haare der Halbelfe und stellten sie leicht auf, dass es im Mondschein etwas entrückt glitzerte. In ihrer Hand hielt sie einen grünen, pulsierend leuchtenden Stein.

      Minuial saß auf dem Dach der Unterkunft und sah in die Bucht der Insel hinab. Rhythmisch, aber leise rauschten die schweren Wellen langsam gegen den Strand. Sie erschrak nicht als sie hinter sich ein flatterndes Geräusch vernahm, auf das ein leichtes Tapsen folgte. „Wieso bist du nur so stur.“ Hallte die grollende Stimme des schwarzen Drachen in ihrem Kopf wieder, als er seine Flügel anlegte und neben Minuial trat.
      Ryu, ein Drache, von Kopf bis Schwanz etwa vierzig, keine fünfzig Finger lang. Seine Schuppen glänzten wie Obsidian und seine rubinroten Augen leuchteten im Dunkel der Nacht. Er wirkte wie eine mondlose Sternennacht, mit den kleinen Reflektionen des Mondlichts auf seinem Körper.
      Minuial sah ihn an. „Siri hat sich sogar ein bisschen über dein Geschenk gefreut“ sprach sie leise zu ihm. Sicher hätte sie auch einfach mit den Gedanken antworten können. „Du weichst aus. Wie lange willst du sie es noch versuchen lassen? Du weißt, dass sie nicht aufgibt. Willst du mit diesem Stein das Gleiche machen wie mit den anderen? Oder überwindest du deinen sturen Schädel und sprichst endlich mit ihr.“
      Minuial sah vom Stein auf den kleinen Drachen, der sich neben hingelegt hatte und sein gehörntes Haupt auf sie richtete. „Eigentlich hatte ich vor ihn direkt ins Meer zu werfen. Soll sie mit den Fischen reden. Oder einer Schildkröte. Dann können sie Schönheitstipps für Uralte austauschen.“ erwiderte Minuial mürrisch. Der kleine Drache gab ein paar abgehackte Grolllaute von sich, wie immer wenn er lachte. „Du bist auch nichtmehr die Jüngste.“ „Sagt der Erfinder der Zeit…“ sagte Minuial, den Drachen dabei zerknirscht ansehend. Dann blickte sie wieder in die Bucht, während sie die Stimme des Drachen wieder in ihrem Kopf vernahm „Was hat dich denn abgehalten ihn ins Meer zu werfen? Sag mir nicht, du hattest Mitleid mit den Fischen.“ „Siri.“ antwortete Minuial knapp. „Siris Worte auf dem Balkon. Zugegeben, ich war ärgerlich, dass sie sich wegen der Wohnung durchgesetzt hatte. Und noch ärgerlicher wegen des Gesprächs. Aber das hatte ihr wirklich was bedeutet. Sie hatte wirklich Hoffnung hineingesetzt. Wunderbar einfach, so ein Kindergeist, hm? Man weiß nie was darin vorgeht, aber man sollte das Reinste und Unkomplizierteste annehmen, was es gibt, und liegt damit meistens richtig.“

      Wieder strich eine sanfte Brise durch das wie aus Federn gemacht anmutende, schwarze Kleid der Halbelfe, das den Schuppen Ryus nicht unähnlich war. „Sie hatte gesagt, sie hat sich auf einen Besuch in den Silberauen gefreut. Sie war so traurig, und schockiert.“ Minuial senkte ihren Kopf und sah auf ihre Beine. „Das Schlimmste ist, einem Teil von mir hat das gefallen. Ihr zu zeigen was aus mir wurde…“
      Ryu sah Minuial an und seine Stimme wurde ein leichtes Fauchen in ihrem Kopf. „Du bist Mutter! Handle wie eine!“ das ausgesprochen erhob sich das trotz seiner Größe majestätisch anmutende Geschöpf, machte einen leichten Satz und schwang sich mit zwei Schlägen seiner Schwingen in die Luft.
      Minuial sah ihm nach, wie er im Nachthimmel verschwand, dann blickte sie wieder auf den Stein in ihrer Hand. Leuchtend grün, wie ein Smaragd, pulsierte er vor sich hin. Minuial schloss die Hand und der Stein gab klirrend knackende Geräusche von sich. Sie verwandelten sich in leichtes Splittern, als er der Energie in der Hand länger ausgesetzt war. Ein letztes Mal sah sie in ihre Hand und sah das pulsierende grübe Leuchten zwischen ihren Fingern, fast wie ein schlagendes Herz. Sie musste einfach nur etwas mehr zudrücken. „Du bist Mutter! Handle wie eine!“ hallte es in ihrem Kopf wieder. Sie legte den Stein neben sich aufs Dach, während sie in ihrer Tasche kramte. Neben ihr mit deutlichen Makeln behaftet, pulsierte noch schwach der grüne Edelstein.


      „Hîril nin? Ihr?“ Die Stimme der Elfe mit den schwarzen Haaren und den rehbraunen Augen klang mehr als überrascht. Sie lächelte, doch das leichte Zittern in ihrer Stimme verriet, dass die letzte Begegnung mit Minuial noch ihre Schatten warf. „Ja ich. Kehr um, Ithildiell.“
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      Pinsel bringen Leute zum Durchdrehen. (Siriaka Jayeon, Black Desert Online)
    • ((Zeitindex Ende August 2017))

      Der Abend


      Der Regen hatte sich gelegt und die helle Mondsichel stand hoch am Himmel. Im Wechsel mit dem Zirpen der Grillen brachen satte, schwere Wellen am Strand Velias unter einem warmen Grollen, nur um plätschernd den nächsten Satz der Natursinfonie einzuleiten.

      Die Schatten an der Wand des Zimmers tanzten mit dem Flackern der duftenden Kerzen, deren Geruch sich wohlig schwer auf die Lungen legte. Siriaka saß mit dem Gesicht zum Fenster und atmete den Duft der Kerzen ein der sich harmonisch mit dem Aroma des Öls auf ihrer Haut vermischte. Sie seufzte entspannt, als sie den Druck der sanften Finger zwischen ihren Schulterblättern fühlte, und ihr die Augen abermals zuzufallen drohten. Zweimal schon wäre sie fast vorn über in das warme Badewasser gesunken, doch hatte sie ein sanfter Griff von hinten unter ihren Achseln durch auf die Schulter wieder aufgerichtet. Sie spürte nur noch schemenhaft, wie sie erst behutsam abgetrocknet wurde, während eine Stimme, die anmutete wie ein weit entferntes Streichinstrument, ihr irgendetwas über ein Nachthemd erklärt.

      Sie spürte den Stoff kaum, der ihre Haut berührte, und doch war er unglaublich gemütlich. Selbst als ein kleiner Lufthauch vom Meer die Schattentänzer an der Wand in ein Zucken und Flackern versetzte, blieb dieses gefällige Gefühl um ihren Körper. Zwei Arme spürte sie, sie sie sich behutsam um ihre Schulter und in ihre Kniekehlen legten. Siri hörte wieder diese Stimme, deren Worte so weit weg waren, dass sie anmuteten wie ein rhythmisches Raunen. Ein sanfter, samtiger zärtlicher Hauch streifte ihre Wange, bevor ihr Körper von einer Welle aus wohligem Bausch eingehüllt wurde. Wieder diese weit entfernte Stimme…

      Sie lächelte und drückte sich einen Moment an den Körper, den die neben sich spürte. Dann empfing sie eine wohlige, sanfte Dunkelheit und tiefe Ruhe. Nur weit entfernt und sich immer mehr entfernend, die Stimme, deren Worte sich nun in reine Wärme verwandelten.


      Sachte legte Minuial einen Arm um das Mädchen neben sich, das nun regelmäßig atmend an ihrer Brust lag, mit einem leichten zufriedenen Lächeln auf den Lippen.


      Der Morgen


      Mit spitzbübischer Zufriedenheit schaute sie auf die drei Teigknoten in ihrem Alchimieofen, wie sie sich langsam in ein tiefes Braun verfärbten und noch etwas anhoben. Es war nicht schwierig, das Präzisionswerkzeug für wissenschaftliches und magisches Allerlei in ein Küchengerät umzufunktionieren. Es dann zu diesem Zweck zu verwenden, gestaltete sich für die Halbelfe etwas herausfordernder.
      Der angenehme Geruch der frischen Backware vermischte sich mit dem, des in einem wie einer riesigen Pfanne anmutenden Metalltiegels dahinzischenden, gerade verfestigendem Omelette von der Größe eines kleinen Wagenrades.

      Die Küchentirade wohl vernehmend und leicht murrend schlug Siriaka die Augen auf. Es war hell, ungewohnt hell, aber nicht unangenehm. Sie blickte in Richtung des Schattens, der, zwar etwas klimpernd und manchmal klirrend hantierte, jedoch in jeder Bewegung die Sorgfalt der Geräuschvermeidung erkennen ließ, was sich mit der ungeschickten Grobheit eines Kindes vermischte. Die Umrisse des Schattens wurden deutlicher, als sich Siris Augen an die Morgensonne, die golden durch das halbgeöffnete Fenster lächelte, gewöhnten.

      Minuial hatte sich die Haare mit einem Tuch hochgebunden, das auf dem Scheitel eine etwas überdimensionierte Schleife bildete, und trug eine fast lächerlich kleine, weiße Schürze, die im völligen Kontrast zu ihrem schwarzen wie aus Federn gemacht anmutendem Kleid stand. Sie lächelte leicht, und wippte mit dem Kopf hinterher, in ihrem Elan nicht merkend, dass der kleine schwarze Drache zum vielleicht zehnten Mal den Krug mit der frischen Kuhmilch aus ihrem Aktionskreis bewegte. „Ryu!“ flüsterte Minuial, war dabei jedoch so laut, dass sie die Geräusche des fast fertigen und duftenden Omelettes übertönte. „Dein Teller steht schon auf dem Tisch und eine Schale hast du auch. Aber erschrick Siri nicht.“ Dann blieb es einen Moment still und der schwarze Drache wechselte wieder die Position, indem er sich schwungvoll und elegant in die Luft erhob, als Minuial mit beiden Händen den Stiel haltend die überdimensionierte Pfanne auf den Tisch bugsierte. Dann flitzte sie schon wieder mit der Grazie einer Elfe zum Alchimietisch und entnahm die duftenden Backwaren, die in einem satten Goldbraun leuchteten.

      „Heiß heiß heiß heiß heiß heiß!“ wetterte sie flüsternd, jedoch in einer Tonlage, die sogar ein totes Rhinozeros zum Leben erweckt hätten, während sie die drei Laugenbretzeln zum Tisch trug und in einen Korb fallen ließ. Dann sackte sie auf ihren Stuhl vor dem Fenster und wischte sich über die Stirn, wonach sie sichtlich erschöpft zu Ryu sah. „Meinst du ihr gefällt das Nachthemd aus Aomori-Seide? …“


      Aomoriseide


      [OOC-Info] Das leichte Nachthemd, das Siri trägt (aus der vorherigen Geschichte) reflektiert fast blickdicht wenn Sonnen- oder Mondlicht darauf fällt, sonst ist es recht durchscheinend. Bei Sonne strahlt es ein warmes, weißes Licht ab, das fast ein wenig gelblich wirken könnte. Im Mondlicht wirkt das Weiß etwas kälter und verschiebt sich leicht in Richtung Silber. Es ist federleicht, und sehr fein verziert, außerdem hat es die Eigenschaft bei Kälte die Körperwärme gut zu halten, bei Wärme für ein leichtes kühlendes Gefühl hervorzurufen. Es ist elfischer Machart.
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    • ((Zeitindex Mitte September 2017))

      Abschied von der Vergangenheit



      Es gibt Momente, als Mutter, die will man nicht erleben. Man wird dazu gezwungen. Und letztendlich schwört man sich, dass man alles tut, dass das Kind so etwas nie wieder durchmachen muss. Oder will man eher sich selbst verschonen? Minuial schaute auf das Mädchen in ihren Armen. Sie wirkte ein bisschen größer, war sie gewachsen? Ihre Arme sind etwas weicher, nichtmehr so sehnig, ihre Hände wirken sanfter. Waren ihre Beine schon immer so lang? Sie drückte Siriaka an sich, nur für einen Moment, einen Atemzug. Das Mädchen schlief fest, ruhig und friedlich.

      Es war am Nachmittag, als Siri mit einem Bündel zu ihr auf die Treppe kam. Minuial hatte schon eine Ahnung, da Siri sie vor einer Weile um den Gefallen gebeten hatte ein „Tor“ zu öffnen. Sie schmunzelte in sich hinein. Egal wie sie es nannte und was es in Wirklichkeit war, es war schon erstaunlich, dass sie sich langsam an solche „Dinge“ gewöhnte. Doch hier ging es nicht um Magie. Zumindest keine auf die sie noch Einfluss hätte.
      Der Schritt durch das Fenster war noch recht einfach. Und Minuial war der festen Überzeugung auf alles vorbereitet zu sein. Sicher, die Eltern waren tot, an der Pest gestorben. Was macht man mit verseuchten Höfen, korrekt, man fackelt sie ab. Sie war auf alles Vorbereitet. Auf den Anblick des Hofes aus der Ferne, auf den Geruch, den verbranntes Holz sogar nach Monaten noch ausströmte, wenn der Wind durch verkohlten Balken pfiff, und dass sie natürlich Haltung zeigen muss, eventuell Siri halten. Sie war auf alles vorbereitet.
      Nur nicht auf den Ausdruck der Fassungslosigkeit der sich auf Siris Gesicht legte, als sie nach nicht einmal zwei Jahren nachhause zurückkehrte. Wie das Mädchen sie zwischen den abgebrannten Gebäuden führte und im ersten Moment noch nicht realisieren wollte wie es hier aussah. „Da wohnt der Knecht, und dort vorn wir. Der Turm ist das Getreidelager.“ „Ist“ sagte sie.
      Sie wechselte in die Vergangenheit, als sie ihr altes Wohnhaus betraten. Siris Stimme wurde immer brüchiger, als sie Umgebung beschrieb, wie sie einst gewesen war. Minuial folgte mit dem Blick in die Richtung in die Siri zeigte.
      Vor Minuials geistigem Auge verschwamm die verbrannte Kulisse und kehrte in einen sauberen Zustand zurück, Wände bauten sich auf, das Dach schloss sich, die Treppe mit dem eisernen Geländer wurde begehbar. Entfernt hörte sie warme Stimmen und Kinderlachen. Es roch nach einem guten, deftigen Mittagessen und die Sonne glitzerte durch die Fenster während ein warmer Wind vom Eingang zur Terrassentür wehte. Die Stimmen sprachen voller Liebe und Fürsorge zu ihrem Kind, verschwommen sah sie die Körper, fast nicht sichtbar, nur schemenhaft…aber spürbar war die Wärme zwischen ihnen. Zuhause.
      Ein Schluchzen riss sie wieder in die Realität, Siri war in Tränen ausgebrochen und sank auf die Knie. Minuial konnte sie jetzt nur noch halten. Und da saß sie, ihre weinende Tochter in den Armen, unfähig etwas zu tun. Bei aller Magie und allen Zaubersprüchen dieser Welt, jedem alchimistischen Gebräu, jedem Ritual kurzum von jedem verdammten kleinen Zaubertrick, bis zu Kräften, die ganze Völker in Angst und Schrecken versetzen konnten…sie konnte nichts gegen die Tränen ihrer geliebten Tochter tun, die in den Trümmern seiner Vergangenheit sitzt. Die mit zwölf Jahren ihre todkranken Eltern pflegen musste, die mit ansah wie sie langsam dahinsiechten. Die soviel Mut und Stärke aufgebracht hatte, zu der mancher Erwachsener nicht fähig war. Sie konnte einfach nichts tun.
      Es war genug. Sie wollte das nichtmehr mit ansehen, doch anstatt wütend zu werden wie normalerweise, wenn sie spürt, dass ihr etwas nahe geht, anstatt diese kleine Heulsuse einfach wegzustoßen und ihr zu sagen sie sollte sich zusammenreißen, verstärkte sie einfach den Druck um Siri in ihren Armen. Sie hielt sie einfach fest. Sie spürte Siris Hände, die Ihre umklammerten, ihre Tränen wie sie auf ihre Hände tropften. Sie wollte sie nicht loslassen, konnte es nicht. Selbst jetzt nicht. Nein, gerade jetzt nicht! Sie wollte genau hier sein, nirgendwo anders. Bis Siri es merkt, dass ihre Mama für sie da ist, würde sie sie festhalten. Bis sie nichtmehr weinen muss. Auf das sie nie wieder weinen muss. Das ist das was sie tun kann. Da sein. Zuhören, Halt geben. Eine Mutter sein.
      Nach einer gefühlten Ewigkeit wand sich Siri aus der Umarmung und zog Minuial sanft nach oben. Sie schnaubte in das ihr angebotene Taschentuch, wischte die Tränen weg und zeigte ihre Lieblingsplätze, alle gefüllt mit Erinnerungen an eine glückliche Kindheit. Zu guter Letzt zog Siri ihr Kleid aus, hängte es an die Reste des Geländers der Treppe, und schlüpfte in das, das sie in dem Bündel bei sich hatte.
      „Rausgewachsen?“ fragte Minuial sie. Siri schmunzelte bei der Antwort. Sie hatte nicht ganz verstanden was Minuial gemeint hatte, aber das war in Ordnung. Auf Ihre Weise gab Siri Minuial zu verstehen, dass sie endlich ein Kapitel ihres Lebens abschließen kann.

      Minuial streichelte kurz Siris Wange. Sie war tatsächlich gewachsen. Mindestens drei Finger breit. Und so langsam verstand man auch, warum das alte Kleid immer enger wurde. Sie hatte etwas zugenommen, und so langsam stellten sich dort Rundungen ein, wo sie auch hingehörten. Ja, sie war gewachsen. Mindestens drei Finger breit. Mindestens.
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    • ((Zeitindex Mitte September 2017))

      "Frühstück ohne Siri"


      Minuial ging leichten Schrittes zur Tür des großen Hauses der Familie Ferres. Sie trat einfach ein, mittlerweile war das fast ihr Zuhause. „Yohooo!“ rief sie fröhlich in den Raum. „Yohooo!“ Schallte es zurück. „Oma sagt du hast diese Woche noch nicht eine Stunde gearbeitet und wir haben schon Dienstag!“ frotzelte Enrico, während er den Boden fegte. „Du kannst ja kehren! Dann kann ich schon Mal spielen gehen!“ Minuial schaute auf den Jungen. „Mhmh und du gehst sicher nicht spielen. Du hast Schule. Also während du jetzt kehrst und dann in die Schule gehst um langweilige Dinge zu lernen, werde ich wohl irgendwas tun, was mir Spaß macht. Und morgen früh mache ich Frühstück...“ Enricos freches Grinsen wurde immer schmaler. Er wusste genau, dass er Schule hatte aber daran zu denken war schon schlimm. Es auch noch auf einen so guten Angriff als Retourkutsche zu bekommen war niederschmetternd. „…ohne Siri!“ fügte Minuial an.

      Enrico fiel der Besen aus der Hand. „Frühstück ohne Siri“ war im Hause Ferres mittlerweile zu einem geflügelten Wort geworden. Wenn Ilse zum Beispiel eine Naht wieder auftrudelte, wenn sie schneiderte, sodass sie die Arbeit von vorn beginnen musste, war das ein „Frühstück ohne Siri“. So etwas galt es zu verhindern. Es versprach die Aussicht auf verbranntes Omelette, dazu faden Kaffee, oder Tee, der eigentlich nur heißes Wasser ist, und im Glücksfall an irgendwelchen Kräutern vorbeigeschwenkt wurde. Die Milch war nicht warm, sondern so zerkocht, dass sich eine dicke Haut darauf gebildet hatte, und auf dem Tisch musste man, bevor man essen konnte, zuerst einmal Besteck und Geschirr richtig untereinander aufteilen. Kurzum...niemand wollte ein „Frühstück ohne Siri“.

      Es sei hier kurz zu bemerken, dass es nicht an der Unfähigkeit oder Unlust der Halbelfe lag, sondern schier an dem Fakt, dass sie die meisten Arbeiten morgens mit halb geschlossenen Augen verrichtete. Der Tag im Hause Ferres begann eben etwas eher als gewohnt. Und Minuial war der Inbegriff eines Morgenmuffels. Das einzige was sie früh kontrollieren und halbwegs wach halten konnte, waren klare, einfache in einzigartiger Tonlage, und in der korrekten Wortanordnung ausgesprochene Steuerbefehle ihrer Tochter.

      Als Ilses schwere Schritte auf der Treppe zu hören waren, rief Enrico schon „Oma! Sie will ein Frühstück ohne Siri machen!“ und zeigte auf Minuial, woraufhin man Anton aus der Werkstatt rennen hörte „Was? Was ist kaputtgegangen?“
      Minuial hielt sich die Ohren zu und verstand keine klaren Worte in der wilden und gestenreichen Diskussion, die unter den Hausherren und dem Jungen stattfand. Bis alle drei verstummten und den Dauermieter ansahen, der mit einem frohen lächeln auf den Lippen, zu der in die Jahre gekommenen Hausherrin blickte. „Ilse, schön dass sie Zeit finden konnten. Könntet ihr mir zeigen, wie man ein Kleid näht? Ein Einfaches, so wie das hier.“ Minuial zeigte an ihrem blau-weißen einfachen Sommerkleid herunter, das sie zurzeit sehr gerne trug. Anton und Enrico sahen Minu fassungslos an, während Ilse gütig lächelte. „Ich nehme an ich habe die Maße?“ fragte sie mit etwas Rührung in der Stimme.

      Tatsächlich war Minuial, trotz ihrer gelegentlichen Missgeschicke im Haushalt, bei den Ferres‘ schon ein Teil der Familie. Gerade Ilse hatte die Halbelfe ins Herz geschlossen, als sie, nach einer Zeit der Skepsis, wahrnahm, wie sorgfältig diese sich um Siriaka kümmerte und wie ernst sie diese Aufgabe für sich nahm. Was Anton betraf, hatte ihm Minuial einige einfach mechanische Zusammenhänge verraten, die es ihm erlaubte in seiner Schreinerei mit weniger Abfall und etwas größerer Präzision zu arbeiten. Außerdem war der Hinweis, einige Werkzeuge in Riesengröße anzuschaffen sehr wertvoll gewesen. So hatte Anton nicht bemerkt, welche Schwierigkeiten Davaab teilweise, mit den für ihn winzigen Werkzeugen hatte.

      „Aye aye! Habt ihr! Und ich habe den ganzen Tag Zeit.“ entgegnete Minuial enthusiastisch.
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    • ((Zeitindex Ende Oktober 2017))

      "Erziehungsmaßnahmen"


      Der Hahn krähte und Novaro, der Knecht auf dem Hof Toscani öffnet seine Augen. Er musste kurz schmunzeln als er an das kleine Mädchen dachte, dass gestern bei ihm Holz kaufen wollte. Sicher könnte er drei Balken in den gewünschten Längen schnell auftreiben. Es wäre sogar einfacher als Bretter daraus zu machen. In Zwei Tagen war das schon machbar. Aber er verspürte wenig Lust darauf zwei Tage so hart zu arbeiten. Und wieso sollte so ein Kind so schnell soviel Holz brauchen? Er lachte die Gedanken weg und trat aus der Tür. Es war ungewöhnlich dunkel als er aus dem Haus trat. Sicher, es war schon Herbst und morgens blieb es länger dunkel, aber so dunkel? Kalt war es auch. Sehr kalt. Das war ihm in seiner Hütte gar nicht aufgefallen. Er schüttelte sich kurz und machte sich auf den Weg in den Stall um die Tiere zu füttern. Seine Beine fühlten sich schwer an, als würde er durch Morast laufen. Er sah auf den Boden und machte einen weiteren Schritt, es war mühsam. Wie weit war es denn zum Stall? Er sah nach vorn und blickte sich um.

      Wo kam das Meer her? Fast schon panisch blickte er sich weiter um er konnte von Ufer zu Ufer sehen, diese Insel war ein besserer Fels im Meer! Novaro rieb sich die Augen. Dann sah er sie, auf einem Stein vor ihm sitzend, eine wunderschöne junge Frau mit smaragdgrünen Augen, und einem schwarzen Kleid, das aus Federn gemacht zu sein schien. Sie fixierte ihn und grinste etwas hämisch.
      „Guten Morgen, schöne Frau ich bin…“ „Ihr seid der, den ich suche.“ Zischte sie ihn an und sprach leise aber schneidend. „Gestern war ein Mädchen bei euch. Schwarze Haare, grüne Augen sehr süß. Nicht?“ Novaro atmete durch. Die kalte Luft schnitt sich in seinen Hals und schmerzte in den Lungen. „Achja.“ Er versuchte ein Grinsen „sie wollte ziemlich große Holzstücke, und das schnell, ein gutes Geschäft. Und wie sie geschaut hat als…“ Sie unterbrach ihn indem sie ihre Hand hob, er wollte weitersprechen, doch es ging nicht. Es ging einfach nicht. Seine Worte fanden keinen Ton. „Danke, das wollte ich nur wissen. Schönen Tag noch.“ Daraufhin verließ die Frau ihre Sitzposition und verschwand vor den Augen des Knechts.
      Novaro war ein wenig erleichtert, jedoch nur bis her in Sekundenschnelle feststellte, dass er immer noch auf dieser Insel war. Er sah sich panisch um. Es war wirklich nur eine Insel! Das muss ein Traum sein! Er versuchte alle möglichen Tricks sich aufwachen zu lassen, nichts funktionierte.


      Stunden später stand die Sonne hoch am Himmel und brannte heiß auf die Insel ohne Schatten. Er hatte noch nichts gegessen und schwitze unaufhörlich, er hatte Hunger und Durst, doch da! Hoffnung! Ein Schiff in der Ferne! Er würde es erreichen wenn er nur laut genug rufen würde. Doch wieder verließ kein Ton seine Kehle. Er sackte zusammen. Verzweiflung stieg in ihm auf. Was sollte er jetzt tun? Es war nirgends Land in Sicht, er wusste nicht einmal wo er war, nur, dass es eine Insel mitten im Meer sein musste. Er hörte ein Kichern hinter sich.

      Wieder die Frau, sie lachte amüsiert. Sie lachte ihn aus, doch ihr Blick verriet kaum eine Gefühlsregung dabei, es war ein kaltes, herzloses Lachen. Novaro wollte sie fragen warum sie hier wäre, warum er hier wäre, wollte sie anschreien, doch so sehr er sich bemühte, seine Kehle blieb stumm.
      Die Frau zeigte im mit einer Fingerbewegung, dass er zu ihr kommen sollte. Was hatte er noch für eine andere Wahl? Sollte sie ihn doch töten, dann wäre dieser Albtraum wenigstens vorbei. Als er einen Schritt auf sie zu tat, stand er wieder in seiner Hütte auf dem Hof Toscani. Die Frau stand auf und ging an ihm vorbei und sprach mit einem gewissen Amüsement in der Stimme „Wenn das Mädchen wiederkommt, überlegt euch nochmals, wie ihr mit ihr sprecht. Sie bekommt das Holz zu einem fairen Preis. Und sie bekommt es schnell. Lieferung inklusive. Falls nicht…“ Ein ohrenbetäubender Knall Riss Novaros Aufmerksamkeit auf sich. Der Stuhl auf dem die Frau eben noch saß war in tausend Stücke zerborsten, wieder wollte er schreien, und wieder ging es nicht. „Ich gehe jetzt. Ihr solltet schlafen bis der Hahn kräht. Vielleicht funktioniert dann auch die Stimme wieder.“


      Der Hahn krähte und Novaro, der Knecht auf dem Hof Toscani öffnet seine Augen. Er rieb sie sich einen Moment und lächelte als die ersten Sonnenstrahlen durch das Fenster fielen. Er wischte sich über die Stirn. Seine Haut fühlte sich klamm an, als hätte er sehr geschwitzt. „Was für ein Wunder, bei so einem Traum“, sagte er zu sich und hielt sich kurz den Hals. Er konnte sprechen! Es war wirklich alles nur ein Traum. Er wollte lachen, bis er die Überreste dessen sah, was einst sein Stuhl war. Er spürte großen Hunger und noch größeren Durst. Es war womöglich doch kein Traum gewesen…
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    • ((Zeitindex Ende Januar 2018))

      "Sweet Darling"


      Minuial schlenderte durch die Straßen Valencias und betrachtete die dort feilgebotenen Waren. Die unterschiedlichen Düfte nach fremdländischen Gewürzen, Kräutern oder Nahrungsmitteln wechselten stetig, jedoch blieb stets die Note nach einer Prise Sand in der Luft.

      Valencia hatte viel zu bieten, von Gold und Edelsteinen über feinste Seidenstoffe und Kleidungsstücke bis hin zu filigranen Holz und Keramikarbeiten. Außerdem fand man auf dem Markt etliches an Büchern, Gebrauchsgegenständen, und ähnlichem. Also vom Schatz bis zum Klimbim konnte man alles an den kleinen, mit Zeltplanen überspannten Ständen die die Straße und die Plätze säumten, finden.
      Und hier sollte es beginnen.

      „Dieses kleine Ding soll einhundertfünfzig Silber kosten?“ Minuial sah den Mann an, der ihr ein charmantes Lächeln schenkte und sie bei ihrer Wahl mit Komplimenten nahezu überschüttete.
      Natürlich war jedes neu angesehene, etwas teurere, Teil viel passender für die blonde Schönheit. Fand die Halbelfe jedoch ein Teil interessant, das im Preis weniger wert war als das vorhergehende, zeigte ihr der Charmeur das vorhergehende nochmals und pries es weiter an, ohne an dem preiswerteren Teil auch nur ein gutes Wort zu lassen.
      „Ja, einhunderfünfzig! Ein guter Preis für ein so wertvolles Stück aus purem valencianischen Gold.“ Schmeichelte er in honigsüßem Ton und der in Valencia gängigen Sprache. Minuial sah sich das, durchaus schicke, aber von reinem Gold weit entfernte Accessoire an. „Ich gebe euch einhundert Münzen, guter Mann“ sagte Minuial den Mann mit einem leichten, etwas kecken Augenklimpern. „Einhundertundvierzig, und ihr bekommt von mir noch eines der kleinen Stücke dort dazu.“ Er zeigte dabei auf ein paar Haarnadeln aus Messing mit bunten Glasperlen darauf. „Das ist natürlich sehr verlockend, aber ich denke ich bleibe bei hundert…na, einhundertzehn. Dazu bekomme ich aber dann noch einen Tipp wo es hier ein anständiges Lokal gibt.“ lächelte Minuial ihn an, während der Mann mit dem Kopf schüttelte. „Einhundertfünfunddreißig, aber dann keine Nadel.“ Sagte er etwas künstlich verbissen. Minuial spürte, dass man ihn sicher auf die einhundertzehn drücken konnte aber es war Zeit sich dem wahren Anliegen zu widmen.
      „Wie wäre das, ehrenwerter Mann,“ sie legte ihm den Arm über die Schulter und redete etwas leiser. „Ich bin eine Freundin des Marid nesham ´ach shakaru, und ich könnte als Preis für das gute Stück anbieten, dass ich euch verrate wie er euch einen Gefallen schuldig ist, oder euch einen Wunsch erfüllen muss. Das ist sicher mehr wert als einhundertundfünfzig Münzen. Oder?“ Der Mann blickte Minuial sehr ungläubig an. „Ihr glaubt mir nicht? Mir hat er bereits einen Wunsch erfüllt. Ich kann es beweisen. Aber, womöglich sind die einhundertfünfunddreißig Münzen doch etwas handfester.“ Sagte die Blonde resignierend und begann umständlich ihren Rucksack abzulegen. Mit einer leichten Kopfbewegung sorgte Minuial dabei dafür, dass ihr seidiges Haar, das sie wie immer so zu einem langen Pferdeschwanz gebunden hatte, dass es die Spitzen ihrer Ohren verdeckte, die Wange des Standbesitzers streifte und er den sanften Geruch nach Orangenöl wahrnahm, mit dem sie es heute morgen gepflegt hatte. „B-beweist es!“ sagte der Händler nach einigem Zögern und hielt Minuial kurz an der Schulter fest. Er zitterte ein wenig vor Aufregung und die Gier stand ihm förmlich in die Augen geschrieben. Sie lächelte ihn an, um ihr dreckiges Grinsen zu verbergen, als er anbiss. „Denkt aber dran, der Marid hat ein gütiges Herz und erfüllt nur die Wünsche derer, die reinen, und gütigen Herzens sind.“ Dann schloss sie die Augen und murmelte etwas undeutliches, was klang wie eine arkane Formel, kniff die Augen etwas mehr zusammen und sammelte ganz langsam Wasser über ihrer Hand, das sie zu einer Kugel formte. Kurz bevor diese sich schloss, ließ sie das Wasser in ihre Hände laufen, schüttete sie über einem bronzenen, mit feinen Ornamenten verzierten Kelch aus dem angebotenen Sortiment des Händlers, und schaute ihn entschuldigend an. „Ja ich weiß, wenn der Marid nesham ´ach shakaru das macht, leuchtet das Wasser blau, aber ihr seht, seine Macht ist so grenzenlos, wie sein Herz. Und er teilt sie mit seinen Freunden.“ Daraufhin nahm Minuial den Bronzekelch mit Wasser in die Hände. Sie ließ das Wasser etwas abkühlen, und reichte dem Straßenhändler den Kelch dar wie eine Trophäe. Als dieser die Kühle des Wassers durch den Kelch in der Hand spürte, sah er sich um und trank den Kelch schnell aus. Minuial lockte ihm mit einem Finger etwas näher und sprach leise weiter. „Alles was ihr tun müsst ist, Niheps Haus zu finden. Ihr wisst schon, der lang verschollene Bruder des Hofschreibers. Der Mann…“ sie flüsterte nun „der nie am Boden ist.“ Dann spricht sie leise weiter „Er hat eine Privatwohnung. Sie ist versteckt, hinter einer der vielen Türen der Stadt. Der Marid nutzt diese Tür als Übergang von seiner, in unsere Welt.“ Sie hielt kurz inne uns schaute den emsig nickenden Mann an, bevor sie fortfuhr. „Ihr schreibt euren Wunsch oder Gefallen auf ein Stück Papier, und schiebt es unter der Tür durch! Ganz einfach!“ Der Mann war von der Aussicht von einem Marid einen Wunsch erfüllt zu bekommen vollkommen gebannt. „Oder ihr traut es euch, den Zettel dem Marid, wenn er hier die Straße entlang läuft, in den Hosenbund zu stecken. Wobei er das nicht bevorzugt.“ schmunzelte Minuial.
      Dann nahm sie das Schmuckstück, steckte es in einen Beutel und schwang sich den Rucksack wieder auf den Rücken. Der Händler sah sie noch einmal mit seinen gierigen Augen an. „Schöne Frau? Wie finde ich denn den Mann der nie am Boden ist?“ Minuial lächelte und zeige auf die Dächer. Der Mann verneigte sich voller geheuchelter Demut und Dankbarkeit und ließ Minuial ziehen.

      Vorgänge ähnlich diesem widerholten sich noch sehr oft an diesem Tag. Jedoch nicht nur bei etwas zwielichtigen Händlern, sondern auch bei einigen nahe des Urnenwalls, die nur einfach, ehrliche Handwerkskunst oder Früchte feilboten um über die Runden zu kommen. Gegen späten Nachmittag sah Minuial mit einem prallgefüllten Beutel in der Hand und ihrem Rucksack auf dem Rücken in einem Gasthaus verschwinden.

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    • ((Zeitindex Ende März 2018))

      "Kinderspiel"


      TEIL 1

      Es klopfte an der Tür zum Gemeinschaftsraum. Es war ein sehr zaghaftes, zögerliches Klopfen. Sie hatten etwa zehn Minuten draußen gestanden, bevor sie sich dazu entschlossen wirklich zu klopfen.

      Karina und Eliono Palmieri, zehn und acht Jahre alt, geboren in Velia, Tochter und Sohn eines Werftarbeiters und einer Hausfrau. Ihr ganzer Stolz war das Kätzchen Maya, dass sie vor etwa zwei Monaten in einem Schauer gefunden und bei sich aufgenommen hatten. Maya war nachtschwarz, höchstens vier Monate alt, mit bernsteinfarbenen Augen und ohne Zeichnungen. Es hatte eine Woche gedauert, bis sie ihre Eltern überzeugt hatten, dass sie sich beide um Maya kümmern konnten, ohne sich zu streiten. Sie liebten Maya mit ganzem Herzen, halfen im Haushalt mit um sich etwas Silber zu verdienen. Davon kauften sie, immer einmal pro Woche, ein kleines Stückchen frischen Fisch für das Kätzchen, von den Händlern am Hafen.

      Als die Kälte kam und die Familie in die Kirche umziehen musste, weil das Feuerholz zur Neige ging hatten Karina und Eliono nur drei Gepäckstücke, Maya, ihr Katzenkörbchen, und die fusselige Flickendecke, die Maya am ersten Tag ihrer Ankunft im Haus unter Aufbringung all ihrer Kräfte unter den Schrank gezerrt hatte. In der Kirche war das Unverständnis natürlich groß. Eine Katze mit durchfüttern? Es gab so schon zu wenig Platz. Doch Vater Ottavio konnte die Bürger für’s erste beruhigen. Immer wieder gab es kritische Blicke, wenn die Kinder etwas von ihrem Brot abrissen und es dem Kätzchen unter die Decke schoben.
      Die Kälte ließ zwar wieder etwas nach, dennoch war das Brennholz fast aufgebraucht, die Lage spitze sich zu. Also wurden unbrauchbare Gegenstände gesammelt um damit das wärmende Feuer zu nähren. Trotz Protest, Bitten und Flehen der beiden Kinder und dem guten zureden der Eltern, mussten sie schließlich mit ansehen, wie das geliebte, kleine Kätzchen vor die Tür geworfen wurde und das Katzenkörbchen Stück für Stück im Ofen landete. Mit allerletzter Kraft und nur durch das Eingreifen Vater Ottavios, konnte die Flickendecke den ewig hungrigen Flammen entgehen.

      Der Tag als sie die Kirche verlassen konnten und festgestellt hatten, dass Maya nicht, wie angenommen und von den Erwachsenen prophezeit, nachhause gerannt war, war nun über eine Woche her. Seither waren sie in jeder freien Minute auf der Suche, fanden aber außer Mitleidsbekundungen und Versprechen die Augen offen zu halten nichts.

      An die Tür vor der sie nun standen, hatten sie nur zwei Mal vorher geklopft. Das erste Mal öffnete eine wunderschöne Frau. Grüne Augen und blondes Haar, das, zum Pferdeschwanz gebunden, über ihre Schultern floss. „Maya? Wollt ihr mich veralbern? Hat sie euch für den Scherz bezahlt? Verschwindet ihr Bauerntrampel!“ hatte sie gekeift und ihnen die Türe beinahe ins Gesicht geschlagen. Das zweite Mal, als sie wieder „bei der blonden Hexe“ klopften… „Eine Katze? Ein kleines Kätzchen? Ich kann euch einen Trick verraten, wie ihr sie schneller findet.“ Hoffnung leuchtete in den Augen der Kinder auf und ein Lächeln zeigte sich auf die vor Kälte roten Gesichter. „Ihr kriecht in die schmutzigsten Ecken der Stadt. Womöglich findet ihr die Katze ertrunken in einem Abort. Oder Erfroren in irgendeinem Erdloch. Am besten ist jedoch, ihr sucht nach Ratten und folgt ihnen in ihr Nest, denn dort lagern sie die Überreste ihrer Beute für ihre Jungen. Ihr findet das Nest einfacher, wenn ihr den Geräuschen folgt. Es dürfte sich wie ein Wimmern anhören, denn Ratten sind keine Raubtiere, sie töten ihre Beute nicht. Die lebt meistens noch, wenn sie anfangen die Fleischstückchen herauszknabbern. So eine kleine Katze ist ein herrlich zarter Leckerbissen für sie. Und die Rattenkinder lutschen auch gern die Augäpfel wie Bonbons…“ bevor die Blonde süffissant erregt und beinahe genüsslich weitersprechen konnte, war Eliono in Tränen ausgebrochen bevor Karina ihren Bruder ein paar Schritte von der Tür weg um die Ecke zog um sich zu übergeben. An diese Tür klopften sie nie wieder.

      Dachten sie…Enrico Ferres hatte ihnen die Adresse des Hauses gegeben. Karina atmete tief durch und klopfte an.



      TEIL 2

      Sie öffnete die Tür. Es war perfekt. Serania hatte Yara mit auf Rundgang genommen, Kria, die Neko hatte sich über die Nacht um das kleine schwarze Kätzchen gekümmert, das Talasha am Vortag gebracht hatte. Sie hatte also alle Zeit der Welt mit den Kindern zu spielen, und sich an aufkeimender Hoffnung und zerstörten Träumen zu delektieren. Natürlich würde sie am Ende das Kätzchen herausrücken, aber vorher…sie öffnete die Tür.

      Karina sah Minuial aus ihren graugrünen Augen an, Eliono sah auf den Boden. „Guten tag, Ich bin Karina und das ist mein Bruder Eliono. Enrico Ferres sagte uns in de Schule, dass ihr Maya gefunden habt. Ist…ist Maya wirklich hier?“ Die Worte hämmerten sich direkt in Minuials Kopf. „l…lebt sie noch?“ Die fast leeren Augen des Kindes zeigten ihre Enttäuschung der letzten Tage und die Stimme wurde von Enttäuschung getragen. Tausend Gedanken schossen Minuial durch den Kopf, als sie auf die Kinder hinab sah, die sich gegenseitig unter einer alten Flickendecke die Hände hielten. „Scheiße.“ dachte Minuial.

      „Kommt erstmal rein, und wärmt euch auf, ihr zwei Katzensucher.“ Sagte sie schließlich und hielt den Kindern die Tür auf. Kaum hatten diese ihre Schuhe ausgezogen und traten die ersten Stufen zur Treppe in den gemütlichen Raum, erschienen am oberen Rand zwei schwarze Katzenohren, gefolgt von zwei bernsteinfarbenen Augen. „Maya!“ riefen die beiden Kinder wie aus einem Mund und stolperten die Treppe hinauf, um das schon totgeglaubte Kätzchen unter Tränen in den Augen in die Arme zu nehmen. Der Stubentiger bewegte sich keinen Millimeter als die beiden Kinder ihm entgegenstürmten, aufnahmen und abwechselnd an sich drückten. Minuial begab sich derweilen an die Kochnische und setzte etwas Milch auf. Ein Schälchen für Maya war dann auch noch übrig.
      Langsam beruhigten sich die Kinder, als beide eine Tasse heiße Schokolade in den Händen hielten, und mit leuchtenden Augen zu dem Kätzchen sahen, dass sich an der Milch gütlich tat. Sie erzählten Minuial wie sie Maya gefunden hatten, ihre Eltern überredeten und natürlich wie klug und süß Maya ist. Sie ließen auch nicht aus, was in der Kirche passiert war. Die Halbelfe hörte den Erzählungen zu. Dass sie kaum zu Wort kam störte sie wenig, sie wollte sowieso nichts sagen.
      Als es Zeit war zu gehen begleitete Minuial die sich immer wieder bedankenden Kinder zur Tür. Sie verabschiedeten sich höflich und überschwänglich und rannten, Maya in die Decke eingewickelt die Straße hinunter. „Hm. Ich wusste doch, dass ich noch Kindertränen zu sehen bekomme.“ dachte Minuial lächelnd als sie ihre Schuhe anzog und den Raum verließ. „Ich hasse Kinder.“

      Als Frederico Palmieri von der Arbeit aus der Werft kam, Fand er neben seiner Türschwelle einen nagelneuen Korb, der sich hervorragend als Katzenkörbchen eignen würde.
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    • ((Zeitindex Mitte Juni 2018))

      "Daring"

      Etwas schmollend saß Minuial auf ihrem Stuhl am Fenster. Da hatte sie Serania schon erlaubt sie mit der Hand auf dem Hinterteil ungeniert durch die Stadt zu führen, und anstatt den Gefallen zu revanchieren setzte diese sich hin und verfasste Briefe und Berichte. Und dann sollte sie Botin spielen, naja...wenigstens hatte sie bitte gesagt. Sie goss sich ein Bier aus dem Krug auf dem Tisch in ihren Humpen, der sofort wieder eine dünne Schicht Kondenswasser ansetzte.
      Und Serania war eine der wenigen Personen in ihrem Bekanntenkreis, die ihre Fähigkeiten wenigstens ein bisschen zu schätzen wussten. Auf der anderen Seite sollte Minuial es ihr wohl ein wenig nachsehen. Die hatte alle Hände voll zu tun mit diesem Entführungsfall und schien auch nicht mehr ganz so ruhig zu schlafen wie früher. Minuial beschloss darauf zu achten, dass sich Serania nicht mit irgendwelchem Zeug vollpumpte.

      Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis Serania ihr den Brief aushändigte. Der Zeitpunkt traf sich mit dem letzten Schluck aus dem Humpen. Minuial stand auf, nahm den Brief entgegen und steuerte auf das Südfenster zu, das, trotz geschlossener Fensterläden einen kleinen Ausblick auf den nächtlichen Demi und dessen Ufer zeigte. Um sie herum wurde es dunkler, während die grünen Augen begannen leicht zu schimmern. Kleine, schwarze Flämmchen rannten über den Körper der Halbelfe und machten auch vor Haar und Gesicht nicht halt während sich eine lange, etwas schäbigere Robe bildete, kurze Haare und ein etwas rundlicheres Gesicht. Dann trat sie durch das Fenster. Daria Lindenau…

      Daria blies eine leichte Brise des Flusses in die Nase, der hier draußen noch frisch roch, als sie in Richtung Calpheon blickte. Es lag still und schwarz unter einem kraftvollen, zunehmenden Mond bei sternklarer Nacht. Daria beschleunigte den Schritt etwas und hetzte Richtung Tor, wo sie japsend ankam. „Hooo junges Fräulein, So spät noch auf den Beinen?“ Wurde Daria von der Wache aufgehalten „Ja!“ japste sie „ich bin Daria! Daria Lindenau. Ich wohne…Puh…“ Sie stellte die Hände auf die Knie und atmete mehrmals tief durch. Der Wachmann, der nun angesichts der jungen Frau, die sich offensichtlich sehr verausgabt hat, ein wenig Mitleid bekam, reichte ihr seine Wasserflasche. „Hier, das ist Tee, macht meine Frau, wenn ich Nachtschicht habe. Nehmt einen Schluck. Und dann weist euch bitte aus.“ Daria nahm die Flasche des Wachmanns entgegen und trank einige kräftige Züge, dann reichte sie die Flasche erheblich leichter zurück. „Danke, Und Hallo! Ich bin Daria Lindenau und wohne in Calpheon! Meine Eltern waren Händler. Sie wurden auf dem Weg von Epheriaport hier her von Trollen gefressen, wirklich tragisch, und ich arbeite als Botin und helfe in verschiedenen Geschäften aus. Hauptsächlich bin ich aber Botin für in und um Calpheon, und ich habe hier einen Brief der ganz dringend zur Akademie muss. Das ist natürlich nicht sehr weit und ich schaffe das schon, denn was wäre ich für eine Botin wenn ich nicht mal einen Brief ausliefern könnte oder? Was? Ihr fragt ob das ein Liebesbrief ist? Etwa einer den ich grade im Mondschein von einem stattlichen Jüngling bekommen habe, der den Brief sicher im Dunkel der Nacht zu seinem Liebchen gebracht wissen will? DAS IST POSTGEHEIMNIS!“ plärrt Daria den völlig perplexen Wachmann an, der nach der Frage nach dem Ausweis völlig still gewesen war, da er sowieso nicht zu Wort gekommen wäre. Daria hingegen redet ungehindert weiter und hebt einen Finger. „..ihr wollt ja sicher auch nicht, dass ihr Daria Lindenau… Uh! Echo! Gehört? …aus Calpheon einen Brief gebt und sie ihn liest und jedem zeigt und herumposaunt, was drinsteht? Deswegen gehe ich jetzt ganz schnell zur Akademie. Richtig, damit der Brief ankommt und ich, Daria Lindenau aus Calpheon meinen Auftrag erfüllt habe und meinen Lohn bekomme, soll ich euch mal zeigen wie ich auf den Brief geschrieben habe, „Porto zahlt Empfänger“? Ja?“ Dabei wedelt sie mit dem Brief vor der Nase des Wachmanns herum. „Geht nicht, niemand schreibt so einen Mist auf einen Brief! Seht ihr? Nein, klar, steht auch nichts drauf! So, ich muss zur Akademie, gute Nacht!“ sagte Daria nach dem Redeschwall zu der völlig verwirrten Wache, die kurz ihre Gedanken sammelt und Daria dann hinterherblickt. „Guten Abend Miss Lindenau, willkommen in Calpheon.“ Sagte er, eher zu sich selbst.

      Daria stapfte den Weg Richtung Eingang der großen Walkürenakademie entlang, bis sie wieder angehalten wurde. „Halt, im Namen Elions, die Akademie öffnet die Tore erst wieder mit dem Sonnenaufgang. Wer seid ihr? Weist euch aus!“ Daria hielt an und streckte zitternd den Brief aus. „I-i-i-ch bin Daria Lindenaus aus Calpheon. Ich bin Botin und soll diesen Brief bei der Wache vor der großen Akademie zu Calpheon abgeben.“ Die Wache nickte „Nur ein Bote? Um diese Uhrzeit? An wen ist denn der Brief?“ „An die Wache der Akademie zu Calpheon.“ wiederholte Daria etwas lauter. Die Wache trat auf sie zu und streckte die Hand aus. „Macht fünfzig Silber!“ sagte Daria den Brief zurückziehend. Die Wache schaute etwas ungläubig und eine Zweite trat hinzu. „Fünfzig Silber, für einen Brief?“ Daria nickte „Genau! Und die Versicherung, dass ich morgen zur Mittagsstunde, das ist um zwölf, die Antwort abholen kann, sonst kostet es extra! Außerdem ist der, der den Brief entgegennimmt, verantwortlich dafür! Fünfzig Silber sind ein Schnäppchen, oder würdet ihr als Frau und unbewaffnet um diese Uhrzeit durch die Gassen unten laufen? Das ist Zeitaufschlag, Gefahrenzulage, Gefahrenzulage zur Gefahrenzulage weil ich ja mit Geld wieder zurück muss und natürlich mein normaler Satz als Botin plus Transport und Verschwiegenheitsgebühr.“ Die Wachen sahen sich an und entschlossen sich bei so einem scheinbar wichtigen Schreiben den Vorgesetzten zu holen, der mit etwas verschlafenem Gesicht aus der Wachstube trat. „Fünfzig Silber? Soviel haben wir nicht in der Kasse, setzt euch doch mal in die Wachstube, ich hole meinen Vorgesetzten…das scheint mir zu wichtig zu sein als das es Aufschub duldet.“ Und ab da war es fast ein Selbstläufer. Von Vorgsetzten zu Vorgesetzten wanderte die unliebsame Bürde der Verantwortung über das scheinbar wichtige Schreiben, denn wer würde schon etwas unwichtiges so spät in der Nacht schicken lassen, bis es schließlich die höchste Stelle erreicht hatte, nämlich den dienstahbenden Adjudanten des Wachhauptmanns der Akademie. Ein stattlicher Kerl, noch keine dreißig, aber mit einem markanten Kinn und sauberer Kettenrüstung. Er reichte Daria die 50 Silber, ließ es sich quittieren, quittierte den Auftrag zur Antwortabholung um 12.00 Uhr Mittags gegen, ließ Daria den Empfang des Auftrags zur Antwortabholung quittieren und quittierte wiederum den Auftrag zur Auslieferung der Antwort, dessen Empfang wiederum Daria quittierte. Zuletzt verhandelte man einen Preis für die Rückantwort von zwanzig Silber, die, so stand es geschrieben „großzügig und gern von der Akademie übernommen werden.“

      Als sich Daria wieder der Brücke näherte, spürte sie einen leichten Druck auf der Schulter und sah zwei rote Augen in der Dunkelheit. „Das hast du genossen, oder?“ fragte der kleine, schwarze Drache, etwas amüsiert. „Da hast du verdammt recht!“

      Die Abholung der Antwort war im Gegensatz zur Lieferung wenig spektakulär. Der stellvertretende Adjudant des wachhabenden Offiziers händigte Daria das Schreiben aus, ließ sich den Empfang bestätigen, händigte ihr das Geld in einem Säckchen mit dem Wappen der Akademie aus, was er sich auch beides bestätigen ließ, und notierte „Tsatsuka Ceos“ als Leumund für die Redlichkeit Darias, was diese wiederum mit ihrer Unterschrift quittierte.

      Minuial übergab den Brief Serania, die bisher zwar fragte wie es mit der Zustellung gelaufen war, aber von Minuial lediglich ausweichende Antworten erhielt, die sie wohl umso neugieriger machten. Auch diesmal war es, nachdem es in der Nacht ein „Ich bin jetzt zu müde“ war, ein „Ich muss nun zu den Pferden.“ Bevor Minuial den Raum verließ.

      Als Serania den Brief öffnet entdeckt sie das Siegel des Hauptmanns der Wache der Akademie im Briefkopf. Die Handschrift ist ihr unbekannt:

      „Geehrte Miss Kendall, Alumna der großen Akademie zu Calpheon,

      es freut eure Alma Mater, dass ihr in Zeiten der Not nicht vergesst wer stets gemeinsam mit Elion und dessen Segen an eurer Seite sein wird. Eure Anfrage war uns keine Last zu beantworten.
      Magistrat Allessandro DiLombardo, Tributbeauftragter für Velia und Balenos, Vorsitzender des Ausschusses für die für die Gestaltung annektierter Gebiete, hielt sich in den letzten sechs Tagen in Calpheon auf. Das beweisen Tagungslisten des Parlaments, sowie Anwesenheitslisten bei verschiedenen gesellschaftlichen Ereignissen. Seine Anwesenheit in Calpheon wurde durch seine Magistratur bestätigt.

      Gez: Wachhauptmannsofficium, Akademie zu Calpheon ==ein Sekretär==

      Res in se:
      Seid vorsichtig mit den Formulierungen. Zu unterstellen der Magistrat wäre in eine Entführung verwickelt, wird in unseren Kreisen sehr schnell als Anschuldigung gewertet und ist besser mit stichhaltigen Beweisen untermauert. Elions Segen,

      ==unterzeichnet vom Obersekretär des Rektorats der Akademie==“
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    • OOC: Dieser Text enthält erotischen Inhalt, und ist deshalb ausgeblendet.

      ((Zeitindex Anfang November 2018))

      "Verlangen"

      Verlangen


      Sie stellte das Reagenzglas mit dem kleinen Edelstein darin zurück an seinen Platz auf dem Alchimietisch. Die attraktive Valencianerin hatte den Raum gerade verlassen und der Duft ihres Parfüms hing noch in der Luft. Er war weder unangenehm noch aufdringlich und vermischte sich mit der gemütlichen schweren Wärme im Zimmer, die nach trockenem Sand roch. Sie legte ihre Handflächen auf ihre Oberschenkel und strich langsam darüber, wobei sie tief einatmete und die Atmosphäre auf sich wirken ließ. Ein leichter Schauer durchzog ihren Körper, als sie die Berührungen an ihren Beinen und in ihren Handflächen spürte. Sie fühlte sich rastlos. In den letzten Tagen schossen ihr immer wieder Bilder durch den Kopf. Bilder wie sie in Seranias halbgeöffnete Augen blickte, während sich ihre von Schweiß feuchten Gestalten aneinander drängten. Sie hörte Seranias Atem im Wind, wenn er ihr Ohr striff. Ein leises, fast unhörbares Aufseufzen, das dennoch ihre Lust, ihr Verlangen und ihre Leidenschaft verriet, wenn sie sich zu Beginn des Liebesspiels mit ihren Händen sensibleren Stellen näherte.

      Minuial richtete sich auf und fuhr mit ihren Händen noch einmal vom Knie in Richtung Bauch über ihre Oberschenkel. Sie bemerkte Schweiß an ihren Handflächen, sie hatte den ganzen Abend nicht geschwitzt. Sie sah zum Südfenster ihrer Wohnung, das einen Blick auf einen Sternenhimmel über einem Dünenmeer zeigte. Coco, wie sie sich nannte, hatte die meisten von Minuials Hoffnungen, und alle Befürchtungen erfüllt. Man hatte sich mit ihr sehr angenehm unterhalten können. Das nächste Mal würde sie allerdings valencianisch sprechen. Sie hatte die Halskette, die Minuial vorsorglich an ihrem Platz am Tisch vorbereitet hatte, angelegt, und der rote Schein des Steines, der aufleuchtete wenn sie eine der im Gespräch seltenen Unwahrheiten aussprach, hatte ihr leicht glänzendes Gesicht sowie ihre blutrote Mähne, die sie in einer eleganten Hochsteckfrisur gebändigt hatte, in ein anregendes Farbenspiel getaucht. Eine wirklich rassige Frau. Sie war eine angenehme Gesellschaft gewesen, als Gesprächsparterin sowie als Wohltat für das Auge.

      Wie Minuial befürchtet hatte, war Coco allerdings viel zu abgebrüht gewesen, um auf ihren Erregungsversuch entsprechend zu reagieren. Es hatte sie auch etwas verwundert, dass Coco gelogen hatte, als sie meinte Minuial wäre die eigenartigste Person die ihr je begegnet wäre. Womöglich hätte Sie ihr auch noch ein paar mehr Fragen stellen sollen, bevor sie sie leichtfertig als ihre Freundin bezeichnete. Oder hätte sie Coco den ersten Schritt machen lassen sollen?
      Wieder schweiften ihre Gedanken ab und sie spürte wie sie mit ihren Fingern über ihren Halsansatz strich wobei sie ein weiterer wohliger Schauer durchfuhr. Wieso passierte das in letzter Zeit so oft? Seit ihrer Rückkehr von der Wanderung durch die Berge, den zwei Nächten im „La Primavera“ schien es, als würde ihr Körper ständig unter Spannung stehen. Ihre Gedanken waren nur noch bei der jungen Frau, ihren feuerroten, kurzen Haaren in den man sich lustvoll vergreifen konnte, bis sie willig dem Zug folgte und ihren Hals freigab, um ihn sich liebkosen zu lassen, während man spürte wie sich ihre Temperatur erhöhte, ihr Atem schneller und hörbar wurde. Ihre blauen Augen die sie schloss wenn sie einen Kuss auf ihre weichen Lippen forderte, die Minuial im Moment fast spüren konnte, als sie zwei Finger gegen auf die Ihren legte.

      Coco hatte gefragt ob Serania mit ihren neunzehn Jahren nicht zu jung wäre. Wie sie wohl reagiert hätte wenn Minuial gesagt hätte, dass sie genau das reizte? Wie sie reagiert hätte, wenn Minuial ihr beschrieben hätte dass es sich fast verboten angefühlt hatte dem jungen, zurückhaltenden Engel eine Welt voller Lust zu zeigen. Ihre Hände zu führen auf das sie den Körper der Anderen entdeckt und Gefallen daran findet die weiche Haut der Halbelfe zu berühren. Zu beobachten wie die Neugier in ihren Augen wuchs, bis sie zu schierem Verlangen, sogar Gier wurden?
      Minuial spürte ein Zucken, öffnete die Augen wieder stellte und fest, das sich ihre Hände bereits an ihren Brüsten verselbständigt hatten. Sie hatte das Kleid geöffnet und umspielte die Ränder ihrer eng anliegenden, dünnen Unterwäsche, die sich anfühlte als wäre sie das letzte, das ihren Körper in einem Stück hielt. Wie die feinen Riemen Stoff des Kostüms vom Erntedank, die sich an Seranias Gestalt entlang wanden wie Schlangen und bei jedem Schritt, jeder Bewegung die Hoffnung schürten einen freieren Blick auf die junge Frau zu preiszugeben, die im Bruchteil einer Sekunde wieder zerstört wurde.

      Endlich klopfte es an der Tür. „Minu?“ hörte sie Seranias Stimme als sie langsam die Tür aufschob. „Bist du noch…“ weiter kam sie nicht. Minuial hatte die Tür bereits aufgerissen, Serania gepackt und durch die Tür gezogen. Das rothaarige Mädchen öffnete den Mund um etwas zu sagen, bekam aber gar keine Zeit dazu bevor sich Minuials Lippen leidenschaftlich und stürmisch auf die ihren legten. Minuial zog Serania näher zu sich, die, noch völlig überrumpelt, auf das verlangende Zungenspiel der Halbelfe zwischen ihren Lippen einging. In Minuials offenen Augen konnte Serania das brennende Verlangen sehen, als sie Ihre genussvoll schloss und hörbar durch die Nase ausatmete, bevor Minuial endlich von ihren Lippen abließ und sie durchatmen konnte.
      Die blonde Halbelfe griff hinter Seranias Knie und Schulter um sie sie auf ihre Arme zu heben, verpasste der Tür einen Tritt, dass sie krachend ins Schloss fiel, und trug Serania in Richtung Bett, während ihr Mund die Lippen Seranias streichelte und eine Hand einen Weg unter ihren Rockansatz suchte.
      Ohne Serania Zeit zu lassen die Situation zu beurteilen, lag deren Kleid schon neben dem Bett. Minuial schwang ein Bein über die Liegende, und drückte ihre Schenkel gegen die Hüften, auf die sie sich langsam niederließ. Die findigen Hände der Halbelfe erforschten langsam Seranias Körper, die smaragdgrünen Augen Minuials hielten sie mit einem leidenschaftlich gierigen Blick gefangen. Immer wieder trafen die Lippen auf die der Rothaarigen, die sich nun wohlig in die streichelnden Berührungen der Hände auf ihrer Haut schmiegte. Minuial nahm den Blick keine Sekunde von Serania, als sie ihre Hand langsam zwischen die Schenkel und in den Slip der jungen Frau schob, deren Augenlider immer wieder schwer herabsanken wenn sich unter einem weiteren, von einem leisen Stöhnen begleiteten, Ausatmen die Augen nach oben verdrehten. Sie legte die Hand auf das Brustbein der der sich vor Lust wohlig windenden Geliebten um sie am sich aufrichten zu hindern, während sich deren Hände im Laken vergriffen, der heiße Atem unregelmäßiger wurde, ihre Beine sich weiter versuchten zu öffnen und ihre Fußsohlen über die Bettdecke glitten.

      Die kurzen Blicke, die Serania zwischen den Schüben aus Erregung und Lust auf Minuial erhaschen konnte, ließen sie ihre Gedanken und Gefühle erahnen. Leidenschaft, Verlangen und Genuss spiegelten sich in ihrem Blick wieder, wie lange nicht mehr. Lust, Seranias Körper zu genießen, sie zu genießen, Verlangen nach ihr. Doch da war noch mehr, etwas Neues. Sie erkannte es erst, als sie versuchte ihren sich gegen den Druck der Hand auf ihrem Brustbein aufzurichten, bevor eine weitere Aufwallung ihr die Kraft raubte und sie zurück aufs Laken sank. Vergnügen. Vergnügen daran ihr zuzusehen wie sie langsam, sich windend in ihrer Erregung versank. Vergnügen daran, ihren Körper ihrer Kontrolle zu entziehen.
      Seranias Atem wurde schneller. Sie verfiel in ein rhythmisches Zucken unter Minuials Daumen, der zwischen ihren Beinen ihren Lustpunkt massierte, und den zwei Fingern, die sich einen Weg in ihren bebenden Körper gebahnt hatten. Ihre Haut war hypersensibel und spürten den Stoff der Unterwäsche auf ihrer Haut, zwischen ihren Schenkeln und den Gesäßhälften. Die harten Spitzen ihrer freiliegenden Brüste erfassten jeden noch so kleinen Luftzug, sei es vom Atem der Liebenden, oder aus dem geöffneten Fenster.
      Als Serania spürte dass sich jeder Muskel in ihr spannte war ihr erlösender, befreiender Schrei nur ein gedämpftes Brummen, denn Minuial presste die Lippen auf die Ihren, als wolle sie den Schrei in sich aufnehmen, ihn bewahren, ihn ihr rauben, ihn ewig für sich behalten.

      Serania keuchte auf, als sich ihr Körper wieder entspannt hatte, sah Minuial an und atmete schwer. Langsam erlangte sie die Kontrolle über ihren verschwitzen Leib zurück, richtete sich etwas auf, schlang die Arme um ihre Geliebte und zog sie zu sich. Minuials Lippen an ihrem Ohr jagten einen Schauer über ihre noch empfindliche Haut und ließen sie den Atem anhalten. „Lass uns für eine Weile weggehen. Nur wir zwei.“ hauchte sie sie ihr zu, noch bevor Serania wirklich richtig zu Verstand kommen konnte. Als sie den Mund öffnete um zu antworten, legte sich Minuials Finger auf ihre Lippen, ihre Hand vergiff sich an Seranias Hinterkopf in den Haaren und zwang ihn mit einem leichten aber stetigen Zug in den Nacken . „Später, mein kleiner Engel, ich bin noch lange nicht fertig…“ sagte sie lasziv schmunzelnd bevor sie mit ihrer Zungenspitze durch Seranias Halsgrube fuhr…
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