Reisetagebuch - Teleniel Nesrin Ceos

    • Reisetagebuch - Teleniel Nesrin Ceos

      Reiseabschnitt 1 – Heidel, zweiter Reisetag


      Die Abreise in Velia verlief planmäßig. Zum Sonnenaufgang konnten Yuria, Nihep und meine Wenigkeit losreiten. Der erste Abschnitt dauerte jedoch etwas länger als gedacht, da es in der Nacht heftige Schneefälle gab und darum der Weg nicht immer gleich klar ersichtlich war. Am Fuße des Heidelpasses mussten wir zudem einen umgestürzten und zwischen die Felsen gefallenen Baum wegräumen, damit wir den Weg fortsetzen konnten. Wir nächtigen im Zelt.

      Heute Nachmittag erreichten wir Heidel. Während sich Nihep und Yuria um die Unterbringung der Pferde kümmerten, organisierte ich eine Unterkunft. Ich wählte eine Gaststätte möglichst weit weg von Khaleds Anwesen, um die Chance, ihm zufällig zu treffen, so gering wie möglich zu halten. Ich werde mich heute noch darum kümmern, die rote Farbe aus den Haaren zu bekommen.



      Reiseabschnitt 2 – Tarif, vierter Reisetag


      Bei der Abreise in Heidel bin ich tatsächlich einem Gardisten meines Bruders über den Weg gelaufen. Glücklicherweise erkannte er mich nicht. Der nächste Teil der Reise führte entlang des Demis. Die Schneemenge südöstlich von Heidel ist deutlich geringer und wir kamen gut voran. Auf einem Hof fanden wir Unterkunft für die Nacht.

      Am vierten Tag ließen wir die winterliche Landschaft gänzlich hinter uns und erreichten Tarif. Ich fühle mich hier weniger wohl, als ich zugeben möchte. Magie und Hexenwerk findet man hier in jeder Ecke. Das alleine erschreckt mich nicht sonderlich, aber es scheint keinerlei Kontrolle oder Überwachung zu geben. Wenn etwas danebengeht, dann kann das große Auswirkungen haben, könnte theoretisch die ganze Stadt vernichten. Trotzdem wirken die Einwohner ungezwungen.

      Mein Unmut ist offensichtlich auch für andere bemerkbar, da ich einige Blicke auf mich ziehe. Ich versuche mich einfach unauffällig zu verhalten und werde das Abendessen in der Unterkunft zu mir nehmen. Morgen Früh geht es ja bereits weiter.



      Reiseabschnitt 3 – Altinova, siebter Reisetag


      Ich habe bisher noch keine so hässliche Stadt gesehen. Altinova ist ein Wildwuchs ohne Maß und Ziel. Der Boden ist schlammig, in den Straßen drängen sich Person an Person und unsere Unterkunft ist einfach nur billig. Ich habe meine Decke auf dem Tisch ausgebreitet, da ich mir die Matratze nicht zumuten will. Yuria und Nihep ergeht es wohl genauso. Einzig positiv sind die Temperaturen, die mittlerweile dem Gefrierpunkt fernbleiben.

      Heute konnte sich Nihep auch nicht mehr zurückhalten: er entdeckte in der Stadt einen Hügel mit Bauten darauf und setzte alles daran, um hochzukommen. Dank Yurias Handelsbeziehung wurde es schlussendlich auch ermöglicht. Der Ausblick von oben war eindrucksvoll, wenn man erst einmal über die Dächer der Stadt hinwegsieht. Das Beste jedoch waren die Gebäude oben. Im Gegensatz zu unten waren sie sauber und zumindest halbwegs gepflegt.

      Auf dem Markt konnten wir unsere Vorräte auffrischen und morgen vor der Abreise werden wir Wasser nachfüllen. Jetzt werde ich die Melone anschneiden, die ich am Markt erstehen konnte.



      Reiseabschnitt 4 – Fels, neunter Tag


      Wir haben die trockene Region erreicht. Der heutige Reisetag war kurz, schon um die Mittagszeit haben wir unser Quartier bezogen. Den Nachmittag verbrachten wir damit, die Ausrüstung zu kontrollieren und umzupacken, denn die nächsten beiden Tage führen uns durch die Taphtar-Ebene, die wir möglichst rasch durchqueren sollten. Ich hoffe, dass wir unterwegs auf keine Zentauren treffen. Ich habe zwar noch nie einen gesehen, aber auch noch nichts Gutes über sie gehört. Ab sofort müssen wir auch mit dem Wasser sparsam umgehen, da wir nicht mehr davon ausgehen können, jederzeit die Wasservorräte aufzufrischen.



      Reiseabschnitt 5 – Taphtar Ebene (Mitten im Nirgendwo), zehnter Tag


      Nihep und Yuria schlafen bereits. Ich sitze wach und achte auf Giftschlangen, davon gibt es einige. Glücklicherweise lassen sie sich mit gezielten Steinwürfen leicht vertreiben. In einer Stunde machen wir Wachwechsel. Die Sicht über die mondbeschienene Ebene mit den Bergen im Hintergrund ist sehr eindrucksvoll.

      Nachtrag: einundzwanzig Schlangen in drei Stunden vertrieben und der Wein ist ausgegangen, werde jetzt Nihep wecken.
    • Reiseabschnitt 5 – Barhantor, zwölfter Tag


      Der gestrige Tag war lang. Wir brachen zeitig in der Taphtar Ebene auf und ritten weiter gen Osten. Zuerst hatte ich den Eindruck, dass wir es nicht in einem Tag schaffen, da die Felsen in der Ferne einfach nicht näherkamen, doch abends erreichten wir das Barhantor. Aufgrund der derzeit recht ruhigen großpolitischen Lage verlief die Kontrolle am Wachposten recht zügig und wir durften dort lagern. Heute reiten wir in die Schlucht.


      Reiseabschnitt 6 – Sandkornbasar, vierzehnter Tag


      Wind fegte uns durch die Schlucht entgegen und senkte die Temperaturen tagsüber auf sehr angenehme Werte, nachts war es allerdings schon recht kühl. Der Wind brachte auch eine Menge Staub und Sand mit sich und wir kamen etwas langsamer voran als in der Ebene. Wir legten früher als sonst die Nachtruhe ein, da wir den Sandkornbasar sowieso nicht mehr vor der Dämmerung erreichen würden. In der Früh mussten wir als erstes unsere Zelte vom Sand befreien.

      Der Weg zu unserem Ziel war noch recht mühsam, denn durch die Schlucht ging es stetig bergauf. Zum Sonnenuntergang kehrten wir schlussendlich am Sandkornbasar ein.

      Es ist erstaunlich, wie viele Leute sich in dieser trostlosen Gegend angesiedelt haben, doch wenn man bedenkt, dass nahezu jeder Wüstenreisende hier vorbeikommt, ergibt es auch Sinn. Und die Bewohner sind darauf vorbereitet, wie wir an unserer eigenen Haut erfahren haben. Eine Frau in Niheps Alter namens Ali stellte sich uns vor und bot an, uns zu führen und mehr oder weniger alle Wünsche zu erfüllen, die wir haben.

      Die Führung verlief natürlich an allen möglichen Marktständen vorbei und auch zu einem Schmuckverkäufer. Nihep kaufte Yuria einen Armreif und mir eine schöne Silberkette als Andenken. Anschließend vermittelte sie uns eine Unterkunft und führte uns auf Niheps Bitte hin an den höchsten Punkt, den man vom Sandkornbasar aus erreichen kann.

      Der Ausblick dort war atemberaubend. Die Rotwüste liegt in einer Senke vor einem, umrandet von schroffen Gebirgsketten und erhellt von Mond- und Sternenlicht. Wir waren hoch genug, um über den Sand- und Staubwolken zu sein und hatten einen klaren Blick auf das Firmament. Man fühlt sich hier den Sternen wirklich näher.

      Anschließend trieb uns der Hunger zum Abendessen. Ali wollte nicht mehr von unserer Seite weichen und ich bemerkte, dass sie zwischendrin immer wieder andere Einheimische von uns wegscheuchte. Offensichtlich herrscht hier eine gewisse Konkurrenz um die Gunst der Besucher. Leider gab es zum Essen, welches vorzüglich schmeckte (wir hatten aber auch ordentlichen Hunger), keinen Wein. Dafür brachte Ali uns ein lokales Getränk, welches vor dem Essen getrunken wird und gut fürs Herz sein sollte. Ich konnte mir den Namen nicht genau merken: Sirka’tah, Sikan’tah oder so ähnlich heißt es und ist nichts anderes als frisches Schlangenblut. Elion sei Dank bekamen wir es vor und nicht nach dem Essen.

      Als wir mit dem Essen fertig waren, wir bestellten zweimal nach, durften wir noch ein Salzwasserbad nehmen. Für die Gegend war es recht kostspielig, aber das Wasser musste ja auch von weit hergebracht werden. Während Ali unsere Körper von Sand und Schmutz befreite, erfuhren wir von ihr, dass es Karawanen gab, die nichts anderes taten, als Wasser zu liefern. Es wurde aufgekocht und der Dampf wieder abgekühlt, um Trinkwasser zu schaffen und der Rest diente als Brauchwasser. An ihrem Umgang mit dem Wasser war deutlich zu sehen, dass es sich dabei wirklich um ein wertvolles Gut handelt.

      Die Morgendämmerung war bereits angebrochen, als wir uns schlafen legten. Am frühen Nachmittag wurden wir mit einem Frühstück geweckt und irgendwie schaffte es Ali in Niheps Auftrag eine Flasche Wein aufzutreiben. Ich werde sie mitnehmen und öffnen, wenn wir die Oase erreicht haben. Wenn alles planmäßig verläuft, in vier Tagen Nächten. Wir werden heute in der Dämmerung aufbrechen und uns an den Sternbildern orientieren und tagsüber schlafen. Theoretisch haben wir die Halbzeit unserer Reise erreicht.


      Reiseabschnitt 7 – Wüste, fünfzehnter Tag


      Heute hatten wir den ersten Ritt durch die Wüste und es geht nur langsam voran. Häufig bin ich neben Tomoya gegangen, da unsere Wasservorräte schon ein ordentliches Gewicht haben. Solange kein Wind über den Sand fegt, ist es nicht unangenehm und vor allem ist es erstaunlich still. Ali hatte sich mehrmals angeboten, uns zur Oase zu führen, doch ohne ein eigenes Pferd oper Kamel hätten wir unseren Pferden noch mehr Vorräte aufbürden müssen und außerdem hätte es wohl Niheps Stolz gekränkt.

      Wir hatten auch einen kurzen Zwischenfall mit einem Wüstenskorpion. Diese Biester sind recht widerstandsfähig. Wir konnten ihn glücklicherweise ohne Verletzungen erlegen. Ich bin so müde, wie schon lange nicht mehr.
    • Reiseabschnitt 8 – Wüste, neunzehnter Tag


      Unsere Richtung hat genau gestimmt und wir hatten die Ibellab-Oase ohne Schwierigkeiten erreicht. Erst als sich die Erleichterung beim Anblick der Palmen breitmachte, merkte ich, wie angespannt ich war. Ich behaupte von mir, dass ich eine gute Orientierung habe, aber in der Wüste ist es wirklich schwierig. Es gibt nur sehr wenige Anhaltspunkte und selbst die Felsformationen scheinen sich zu wiederholen und die Navigation mit den Sternen funktioniert, doch nur die geringste Abweichung würde und wenige Kilometer am Ziel vorbeiführen und wir würden es nicht einmal bemerken, bis es zu spät ist.

      Im Moment legen wir eine Zwangspause ein, denn auch die Navigation mittels der Sterne wäre im Augenblick unmöglich. Ganz abgesehen davon, dass es uns die Haut von den Knochen reißen würde. Vor etwa zwei Stunden kam ein Wind auf und wenig später lag Staub in der Luft. Wir hielten sofort an und stellten das Zelt auf. Gerade rechtzeitig, denn der Wind wurde deutlich stärker und fegt nun mit einer unglaublichen Gewalt über uns hinweg. Etwa stündlich muss das Zelt vom Sand befreit werden, sonst würden wir eingegraben werden. Die Pferde sind auch etwas unruhig, doch mit dem Kopf im Zelt geschützt und die Leiber durch Decken abgedeckt.

      Yuria bereitet mir im Augenblick ein paar Sorgen. Ich hoffe, sie ist nur ein wenig überanstrengt und nicht krank geworden. Bisher hat sie kein Wort gesagt, aber am Glanz der Haut kann ich erkennen, dass nicht alles in Ordnung ist. Ich werde es jedoch weiter beobachten und nur wenn es schlimmer wird, sie darauf ansprechen. Vielleicht ist es ganz gut, dass wir nun eine Zwangspause einlegen müssen.



      Reiseabschnitt 9 – Wüste, zweiundzwanzigster Tag


      Unser zweites Wüstenziel, eine Pilgerstätte, erreichten wir ebenso gut wie die Oase. Unser Aufenthalt war recht kurz und zugegebenermaßen fühlte ich mich dort nicht sonderlich wohl. Keiner der Anwesenden sagte etwas, doch an manchen Blicken konnte ich eine gewisse Abneigung erkennen. Keine Feindseligkeit, aber dennoch nicht gerade angenehm. Jetzt bin ich auch zuversichtlich, dass wir unser letztes Ziel, Valencia, erreichen werden. Wir haben zweimal die Nadel im Heuhaufen gefunden, also ist es unwahrscheinlich, dass wir Valencia verfehlen, zumal es bereits einen oder gar zwei Tage vor unserer Ankunft sichtbar sein sollte.

      Meine Sorge bezüglich Yuria hat sich glücklicherweise nicht bestätigt. Ihr Zustand war nach dem Sandsturm und nach der Pause in der Pilgerstätte wieder deutlich besser, es sind nur die üblichen Reiseanstrengungen, die ich zugebenermaßen selbst auch spüre. Nach zwei Wochen steckt einem die Wüste förmlich in den Knochen und ich musste ein paar Anpassungen an meiner Ausrüstung durchführen, da der Sand mir teilweise die Haut wund scheuerte. Ich freue mich schon auf die Ankunft in Valencia.



      Reiseabschnitt 10 – Valencia, fünfundzwanzigster Tag


      Wir sind gesund angekommen!
    • Reisebericht 1 – Valencia, dritter Tag


      Drei Tage sind seit der Ankunft in Valencia vergangen. Der erste Abend war schon sehr interessant. Nihep führte uns zu seinem ehemaligen… Zuhause. Wir wechselten die Wäsche und wollten zu dem Bad aufbrechen, das wir bei meinem letzten Valencia-Besuch schon nutzen, denn nach mehr als zwei Wochen Wüste wollte wir den Sand loswerden. Doch Wachen oder besser gesagt, eine Garde, wartete bereits vor der Tür und sollte uns zu Niheps Bruder, dem Hofschreiber, führen. Ich hätte gut Lust gehabt, diese Anweisung zu ignorieren und einfach durch die Garde hindurchzugehen, doch mit Yuria und Nihep war das keine Option. Sie schlugen die Tür zu und wir setzen zu einer Flucht über das Oberlicht an.

      Jedenfalls erreichten wir das Bad und konnten es betreten, bevor die Gardisten uns einholten. Es war sehr entspannend, doch schlussendlich holte uns die Pflicht ein und wir ließen uns zu Nahotep führen. Es gab eine förmliche Begrüßung und wir bekamen unsere Zimmer. Endlich konnte ich wieder in einem Bett schlafen.

      Gestern schliefen wir aus und bekamen ein ordentliches Essen aufgetischt. Nihep wurde anschließend zu einer Besprechung gebeten, während Yuria und ich in die Stadt entlassen wurden. Wir entschieden uns, auf eigene Faust erkunden zu gehen.
      Abends erwartete mich noch eine große Überraschung. Im südlichen Stadtviertel lief ich Serania in die Arme. Zuerst glaube ich, ich fantasiere, da ich davon ausging, dass sie in Velia blieb, doch sie erklärte mir, dass sie sich umentschieden hatte. Es freut mich sehr, dass sie nun auch hier ist und werde den heutigen Tag mit ihr verbringen.
    • Reisebericht 2 – Valencia, sechster Tag


      Es war schön einen ganzen Tag mit Serania zu verbringen, ohne dass es dabei um Pflicht und Aufgaben oder Training ging. So entspannt und gelassen habe ich sie nicht mehr erlebt seit ihrer schweren Verletzung. Und ihr ging es mir mit wohl genauso. Wir konnten uns über alles Mögliche unterhalten und einfach den Tag genießen. Es ist erstaunlich, wie stark sie geistig im letzten halben Jahr gealtert ist. Von ihrer Schüchternheit ist nicht mehr viel übergeblieben und sie betrachtet die Welt aus einer neuen, reiferen Perspektive. Ihr ist bewusstgeworden, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen und sie sieht in ihren Leben immer mehr Ziele neben dem Walküren-Dasein und ich glaube auch, dass ihr Gefühle für Susi substantieller geworden sind.

      Ich weiß, dass Niheps Zurückhaltung und vor allem auch die Konkurrenz in Form von Yuria sie zuerst sehr hart getroffen haben. Härter als sie je zugeben würde. Darum hielt ich zuerst die Zuwendung zu Susi neben der offensichtlichen Neugierde als eine Art Rache an Nihep. Nein, nicht Rache, eher als ein „schau was ich nun habe und du nicht“. Unabhängig davon, ob ich damit richtig liege oder nicht, bin ich mir allerdings sicher, dass sie Susi mittlerweile wirklich begehrt. Das ist wohl Liebe auf den zweiten Blick bei beiden…

      Gestern besuchte mich Nahotep. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll, denn er wollte mich, und zuvor schon Yuria und Thyrianna, dazu bringen, Nihep von seiner Suche seiner wirklichen Herkunft abzuhalten. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die Wahrheit, wie immer sie auch aussehen mag, möglicherweise unangenehm für Nihep ist, andererseits halte ich ihn für jemanden, dem es wichtiger ist, die Wahrheit zu kennen und damit zu leben, als unwissend zu bleiben. Nahotep meinte jedoch, dass die Wahrheit ihn gewissermaßen geißeln würde und diametral zu seinem Wunsch der Freiheit liegt. Jetzt gilt es für uns drei abzuwägen, wie wir damit umgehen. Spricht Nahotep die Wahrheit – Serania meint, dass er nicht lügt – oder hätte es vor allem für ihn Vorteile, wenn Nihep seine Suche aufgibt.

      Nahotep ist natürlich auch nicht wirklich ins Detail gegangen, denn das wäre ja zu einfach gewesen. Eigentlich war ich schon kurz davor, ihm zuzustimmen, doch als ich ihn fragte, ob er für seine Taten Reue verspürte, verneinte er. Somit ist klar, dass er emotional vollkommen anders funktioniert als ein moralisch handelnder Mensch. Möglicherweise hat er auch die Wahrheit gesagt, aber so ausgeschmückt, als würde es Nihep dienen und nicht ihm. Ich hatte leider vergessen zu fragen, welchen unterschied es für ihn machen würde. Mit Yuria konnte ich schon kurz sprechen, sie sieht die Sache wohl ähnlich wie ich, mit Thyrianna muss ich darüber noch sprechen. Mir gefällt es jedenfalls nicht, aber es gibt vielleicht noch ein paar Optionen, die Nahotep nicht in Betracht zieht. Jetzt räume ich ihm hier auch schon mehr Platz ein, als ich wollte…
    • Reisebericht 3 – Arehaza


      In den letzten Tagen ist einiges passiert. Susi hat Nihep etwas in die Ecke gedrängt, das dazu führte, dass Nihep wütend oder gar zornig das Anwesen verlassen hat und beim Hinausgehen noch eine Vase zertrümmerte. Ich kann zwar verstehen, dass er so darauf reagiert hatte, jedoch schon etwas bedenklich, wenn er dabei Dinge kaputtschlägt. Das ist nicht seine Art, zumal die Tonscherben eine gewisse Verletzungsgefahr darstellen. Beim Entsorgen der Scherben geriet ich auch kurz mit Susi aneinander, doch diese Meinungsverschiedenheit konnte halbwegs geklärt werden. Zurück blieben nur Kopfschmerzen am nächsten Tag, einige geleerte Agavenweinflaschen und die Erkenntnis, dass Susi sich tatsächlich mehr um unser aller Wohl sorgt, als sie je zuzugeben bereit wäre. Die Kopfschmerzen waren gut investiert.

      Die nächsten Tage habe ich hauptsächlich mit Seraina verbracht. Ich habe sie zu unserem Familienanwesen geführt, den Angestellten vorgestellt und ihr einiges über die Unternehmungen meiner Familie in Valencia erzählt. Zudem nutzten wir die Zeit auch für etwas Training. Zugegebenermaßen hatte ich es wohl nötiger als Serania und konnte mich eher aufgrund meiner Erfahrung und nicht wegen der Konstitution behaupten. Beinahe unglaublich, wie weit sie in den letzten Monaten gekommen ist. Gut, sie hatte keine mehrwöchige Reise in den Beinen.

      Ein Attentat wurde auch auf mich verübt. Jemand – den neuesten Ermittlungen zur Folge dürfte es von Siriaka ausgegangen sein – hat mir sogenannte Kletten (kleine, kugelförmige und sehr, sehr anhängliche Pflanzen) ins Bett gelegt. Als ich aufgewacht bin, hingen sie in meinen Haaren im Schalfanzug und in der Bettwäsche. Wenn ich mir sicher bin, wer das getan hatte, werde ich mir eine gerechte Revanche überlegen.

      Nihep hatte ich noch mit den Scherben der Vase konfrontiert und ihm erklärt, dass seine Reaktion keine gute Lösung darstellte. Ich hätte ihm noch viel sagen können, jedoch bin ich nicht seine Mutter. Ich baue darauf, dass das kurze Gespräch ihm zum Nachdenken anregte. Vielleicht kommt er ja einmal darauf zurück.

      Gestern traten wir die Reise nach Arehaza an. Wir ritten abends los und erreichten die kleine Hafenstadt in der Nacht. Der erste Eindruck ist durchwegs gut, nur die Unterbringung könnte besser sein. Die Betten stehen auf einem eingezogenen Boden über der Gaststube der örtlichen Taverne. Der Boden ist jedoch nicht durchgezogen, sondern wie eine Galerie und somit offen. Gestern war es zumindest schon spät genug, sodass es ruhig war, ich hoffe, dass es heute ähnlich wird.
    • Reisebericht 4 – Valencia


      Die Hitze zeigt wohl ihre Auswirkungen. Susi hat mir eine Nachricht zukommen lassen, in der sie eingesteht, Verursacherin der Kletten in meinem Bett zu sein, mit ein paar fadenscheinigen Gründen. Wäre es nicht Susi, würde ich behaupten, sie deckt lediglich Siriaka, doch so wie Susis Verstand arbeitet, ist es durchaus möglich, dass es stimmt. Leider ist die Geschichte mit diesen Dingern noch nicht vorbei: auch Nihep hat sich nochmals ausgetobt.

      Zuerst war ich positiv überrascht. Er hat die zerbrochene Vase wieder zusammengebaut, indem er die Bruchstücke auf einen Lehm-Rohling klebte und eine Nachricht dazu. Offensichtlich hat er sich wirklich Gedanken gemacht, das ist gut. Und gleichzeitig hat er mir eine Menge Kletten im Bett hinterlassen, dankeswerterweise direkt mit einem Schuldeingeständnis auf seinem Schrieb. Da es schon deutlich nach Mitternacht war, habe ich darauf verzichtet, alle zu entsorgen, zumal mein Fluchen sicherlich die anderen im Zimmer geweckt hätte. Ich habe nur das Kopfkissen befreit und mich dann einfach auf die Decke gelegt. Es war eine kühle Nacht, aber ich konnte dennoch gut schlafen.

      Der Grund für die späte Stunde war ein Besuch des Observatoriums. Susi hat mich an den Rand der Stadt begleitet. Die Sternenwarte war interessant und es ist erstaunlich, wie viele Sterne durch das Fernrohr zu sehen sind und wie viele Sternbilder es neben den allgemein bekannten gibt. Es war ein schöner, nächtlicher Ausflug.

      Mittlerweile freue ich mich wieder auf mein Bett im Velia, zu dem die Scherzbolde keinen so einfachen Zugriff haben.
    • Reisebericht 5 – Valencia


      Erkenntnis: von Agavenschnaps kann Kopfschmerzen verursachen.



      Erweiterung Reisebericht 5 – Valencia


      Im Bezug auf Nahotep bin ich jetzt auch etwas schlauer, nachdem Susi mit ihm gesprochen hat. Die Gefahr für Nihep liegt nicht an der Wahrheit selbst, sondern auf dem Weg. Welche sie ist, ist mir zwar noch immer nicht bekannt, aber es gibt einen neuen Weg, wie Nihep an die Informationen kommen kann. Susi hat mir die Aufgabe zugetragen, ihn in die entsprechende Richtung zu schubsen.

      Die Kopfschmerzen halten an.
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